Wie uns ein Park etwas über Gender Mainstreaming sagen kann.

Bild: © Chris J Mitchell

Von Melanie Strobl

Berlin, München, Wien – Alle drei Städte haben es sich zur Aufgabe gemacht öffentliche Spiel- oder Parkanlagen genderneutral, also für alle Geschlechter gleich attraktiv, zu gestalten.
Viele werden sich fragen: Warum braucht es genderneutrale Gestaltung von öffentlichen Parks? Auf den ersten Blick ist es vielleicht nicht ersichtlich. Das liegt auch daran, dass über dieses Thema medial sehr wenig berichtet wird. 
Sieht man jedoch genauer hin, erkennt man, dass es durchaus wichtig ist die sogenannten Gender Mainstreaming Maßnahmen in Parkplanungen miteinzubeziehen. 
Ein Beispiel: Abgeschlossene Sportkäfige, in denen bereits eine große Gruppe an Burschen Fußball spielt, wirken auf Mädchen eher einschüchternd als einladend. Gestaltet man die Sportkäfige offen, also ohne Einzäunung, ist dieses Problem größtenteils behoben. Auch die Installierung von Lichtanlagen in öffentlichen Parks trägt viel dazu bei, dass sich Frauen und Mädchen auf dem nächtlichen Nachhauseweg sicherer fühlen. 

Innerhalb unserer Forschungsgruppe haben wir uns dieses Semester die Methoden von Gender Mainstreaming- Maßnahmen in Bezug auf öffentliche Räume anhand der Stadt Wien genauer angesehen. Dafür haben wir mit Expert*innen gesprochen und waren in Parks vor Ort, um zu beobachten wie die Theorie in der Praxis ankommt. 
Zu erwähnen ist, dass unsere Forschung während des Wintersemesters stattfand. Aufgrund der Wetterbedingungen haben die Beobachtungen im Park leider nicht die Aussagekraft, wie es im Sommer der Fall gewesen wäre.

Für die Stadt Wien war die geschlechtersensible Parkgestaltung seit 2000 ein wichtiger Prozess, nachdem die Studie „Verspielte Chancen? – Mädchen in den öffentlichen Raum!“ gezeigt hat, dass Mädchen sich eher aus Parkanlagen zurückziehen. Grund dafür war unter anderem, dass die unterschiedlichen Anforderungen an Spielplatzgestaltungen bei Mädchen und Burschen nicht berücksichtigt wurden. Die männlichen Interessen standen im Vordergrund, was eine Verdrängung von Mädchen zur Folge hatte.
Seit 2005 gibt es vom Wiener Stadtgartenamt eine Planungsempfehlung zur geschlechtersensiblen Gestaltung von öffentlichen Parkanlagen, die für die Mitarbeiter als Leitfaden dient. Darin ist beispielsweise festgeschrieben, dass das Volleyballspielen in seiner integrativen Funktion verstärkt anzubieten ist, weil es bei Mädchen und Burschen gleichermaßen beliebt sei. 
Obwohl es sich bei dem Leitfaden nur um eine Planungs-„Empfehlung“ handelt, habe ich festgestellt, dass die Stadt Wien sehr gewissenhaft damit umgeht und versucht alle Punkte in die Gestaltung miteinzubeziehen.
Außerdem konnte ich feststellen, dass vernetztes Arbeiten innerhalb und zwischen den Magistraten der Stadt Wien ein wichtiges Kriterium ist, um gendergerechte Gestaltung zu berücksichtigen. So muss sich z.B., wenn eine Neu- oder Umgestaltung eines Parks geplant ist, die Landschaftsplanung der MA42 auch immer mit der MA33 absprechen, welche für Beleuchtungen zuständig ist. Durch deren Zusammenarbeit wird zum Beispiel sichergestellt, dass es bei Parkanlagen keine dunklen Gassen oder Wege gibt, sodass sich Parkbenutzer*innen sicher fühlen. Für eine erfolgreiche Gestaltung von Parkanlagen sollten auch Bürger*innen in den Prozess miteinbezogen werden. Die MA42 achtet auf Wünsche, Kritik oder Feedback von Bürger*innen, führt selbstständig Bürgerbeteiligungen oder Befragungen durch und berücksichtigt die Erkenntnisse bei der Gestaltung von Parkanlagen. 

Gender Mainstreaming, also die Strategie zur Gleichstellung der Geschlechter, ist mittlerweile auf vielen Ebenen bekannt. Sei es in der Repräsentation von Geschlechtern in den Medien oder innerhalb eines Unternehmens, wie z.B. innerhalb des ORF
Doch Gender Mainstreaming ist nicht nur medienspezifisch, wie diese Forschung gezeigt hat. 
Die Stadt Wien Website bietet zwar schon Informationen und Ergebnisse über deren Arbeit an, allerdings sollte die Thematik noch mehr in den Fokus der Öffentlichkeit rücken. Dadurch wird nicht nur die Aufmerksamkeit auf bestehende Ungleichheiten zwischen den Geschlechtern hergestellt, sondern es können sich auch andere Städte oder Institutionen an den bereits bestehenden „Best Practice“ Beispielen orientieren. 
Auch die Stadt Bern hat schon Einiges erreicht: Ihr Stadtplanungsamt ist zu 56% weiblich und die Geschäftsleitung zur Hälfte. 

Für mich wurde innerhalb des Forschungsseminars klar, dass es in sehr vielen Bereichen der Gesellschaft unterschiedliche Bedürfnisse der Geschlechter gibt, auf die Rücksicht genommen werden muss. Um Ungleichheiten erfolgreich aufzulösen sind zwei Dinge nötig:
Erstens müssen Regeln von seitens der Politikfestgesetzt werden, sodass Gender Mainstreaming-Maßnahmen für Institutionen o. Ä. verpflichtend sind.
Zweitens müssen alle Beteiligten motiviert sein, diese Regeln durchzusetzen.
Um beide Anforderungen zu erfüllen, sollte man sich das in Erinnerung rufen: Die Gesellschaft ist divers – in Bezug auf Geschlecht, Ethnie, Alter, etc.
Um alle Wünsche und Anforderungen von sozialen Gruppen in Planungen miteinzubeziehen, sollten also auch Organisationen divers aufgestellt sein. Eine mögliche Lösung ist das Einführen von verpflichtenden Quoten. Besser noch sind Mentor*innenprogramme innerhalb eines Unternehmens, bei denen unterrepräsentierte Gruppen von Anfang an gefördert und gestärkt werden.

Unsere Aufgabe besteht darin hinter die Fassade zu blicken und Aufmerksamkeit für Gender-Ungerechtigkeiten sowie schon bestehende Lösungsansätze zu schaffen – auf allen Ebenen der Gesellschaft.

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