Das (Un)sichtbar machen von Frauen in der Stadt

Bild: © Veronica Fodo

Von Veronica Fodo 

Frauen sind in vielen Bereichen unterrepräsentiert, unter anderem auch stark den in Medien. In einer aktuellen Studie von der österreichischen Agentur MediaAffrairs wurde erneuert aufgezeigt, dass Frauen in den Medien in fast allen Bereichen wie Sport, Politik und Justiz unterrepräsentiert sind. Doch es gibt viele andere Bereiche worüber sich möglicherweise zu wenig Gedanken gemacht werden. Bevor ich mit der Stadt Wien im Rahmen einer universitären Lehrveranstaltung zusammenarbeiten konnte, hätte ich mir nie Gedanken über Gender-Mainstreaming im Bereich der Stadtplanung gemacht. Die Unterrepräsentation von Frauen macht sich noch einmal deutlich sichtbar, unter anderem bei den Straßennamen in Wien. Nur 7 % der Straßennamen in Wien sind weiblich und davon allein sind 3 % im Stadtteil Aspern-Seestadt, dieser Stadtteil macht historisch einflussreiche Frauen sichtbar wie Maria Tusch, eine österreichische sozialdemokratische Politikerin oder die amerikanische Rocklegende Janis Joplin.  

Aber was hat eigentlich Gender-Mainstreaming mit Stadtplanung zu tun?  

Die Stadt Wien definiert Gender-Mainstreaming als Maßnahme, die auf den Bedürfnissen der verschiedenen Geschlechter zurechtgeschnitten sind. Dabei ist Gender-Mainstreaming eine international anerkannte Vorgangsweise und Strategie der Geschlechterpolitik, bei der soziale Unterschiede und strukturelle Ungleichheiten für Frauen und Männer hinterfragt werden. Entscheidend ist dabei, dass bei allen Projekten die unterschiedliche Lebensqualität der Geschlechter zu berücksichtigen ist.  

Stadt Wien hat in den Bereichen Stadtstruktur, Raumbildung, Wohnqualität, öffentlicher Raum und Mobilität Gender-Mainstreaming Maßnahmen entwickelt und teils auch umgesetzt. Ich durfte in diesem Semester Gender-Mainstreaming Maßnahmen im Bereich der Stadtplanung kennen lernen und untersuchen. Ohne überhaupt zu wissen wie, genau solche Maßnahmen in der Stadtplanung umgesetzt wurden, öffnete sich mir eine neue Welt von Perspektiven, die ich davor so nicht kannte.  

Doch einerseits ist es eigentlich logisch, dass beispielsweise berufstätige Frauen mit Kinder(n) ganz andere Bedürfnisse haben als andere Bewohner einer Stadt. Sie müssen wie etwa Kinder in den Kindergarten oder in die Schule bringen, in die Arbeit fahren, die Kinder wieder abholen und auch Einkäufe erledigen. So ist es ideal für solche Frauen, wenn sie alles in unmittelbarer Nähe haben, Schulen, Kindergärten, Supermärkte und öffentliche Verkehrsmittel. Auf solche und andere Aspekte wird natürlich geschaut bei der Planung und Entwicklung von neuen Stadtteilen oder beim Umbau von bestehenden Stadtteilen.  

Dann kommt noch dazu, dass Frauen in ihren Berufen oftmals weniger verdienen als Männer und unterrepräsentiert sind am Arbeitsplatz. Da will man ja nicht als Frau noch ständig über Straßen, Parks und Plätzen laufen, die nur nach Männern benannt sind. Es wurde Zeit dies zu ändern und das enorme Ungleichgewicht wieder in Balance zu bringen, da ist der neue Stadtteil Seestadt-Aspern ein Vorreiter. Auf der Website vom Gender Atlas (http://genderatlas.at/articles/strassennamen.html) wird nochmal bildlich das Ungleichgewicht der Straßennamensgebung in Wien aufgezeigt.  

Auf den Straßen 

Wenn man bewusst durch die Straßen läuft, fällt es einem auf, dass ein enormes Ungleichgewicht bei der Straßennamensgebung in Wien herrscht. Doch vielen ist dieses Ungleichgewicht bei den Straßennamen unbewusst und schätzen es völlig falsch ein. Ich habe ein paar Straßeninterviews in Aspern geführt, viele die befragt wurden antworteten 50/50 oder 60/40, als ich sie fragte die Relation zwischen weiblichen und männlichen Straßen in Wien zu schätzen. Als dann aber die Auflösung kam, dass 93 % der Straßennamen männlich sind waren die meisten der Interviewten geschockt und ich ebenso als ich diese Zahlen zum ersten Mal sah. Zudem waren auch manchen Interviewten völlig unklar warum fast alle Straßennamen in Seestadt-Aspern weiblich sind.  

„Ja, ich weiß, dass hier alle, vielleicht fast alle Straßennamen weibliche sind, aber ich weiß wirklich nicht warum.“  

— Bewohner der Seestadt, anonym

Doch wenn sich die Einwohnerzahlen in Österreich anschaut werden sind 51,30% der Einwohner weiblich, repräsentativ sind also die Straßennamen auf keinen Fall so wie viele andere Bereiche. Es soll da das Bewusstsein gesteigert werden, dass die Stadt Wien in diesen Bereich versucht etwas zu ändern und Gender-Mainstreaming Maßnahmen entwickelt hat. 

Was muss passieren um, ein Gleichgewicht zu schaffen? 

Einfach gesagt: Frauen sichtbar machen! 

Frauen nicht mehr in den Schatten von Männern zu stellen, Frauen als Vorbilder darzustellen, Frauen in hohen Positionen gleich ansehen wie Männer in hohen Positionen, Frauen zu Wort kommen lassen, insbesondere in den Medien usw. Frauen sind ein Teil der Gesellschaft und noch dazu der überwiegende Anteil, deshalb ist es undenkbar Frauen zu unterrepräsentierten, die Straßennamen sind ein gutes Beispiel. Zu bedenken ist jedoch, dass die meisten Straßennamen in der Monarchie entstanden sind und heute viele davon einen kulturellen Wert haben und es wäre auch undenkbar für Taxi-Lenker und -Lenkerinnen sich noch in Wien zu orientieren, wenn begonnen wird die Straßennamen zu ändern. Doch es ist wichtig diesen Aspekt weiterzuführen, dass Frauen in der Stadt sichtbarer gemacht werden, indem Plätze, Parks und Straßen nach ihnen benennt.  

Erkenntnisse über Gender-Mainstreaming Maßnahmen von der Stadt Wien 

Was ich gelernt habe aus unserem Projekt mit der Stadt Wien über Gender-Mainstreaming Maßnahmen ist, dass es wichtig ist den Genderaspekt in allen Lebensbereichen einzuschließen. Es gibt keinen Bereich, der keine Gender-Mainstreaming Maßnahmen braucht, um dabei auf die Bedürfnisse aller Geschlechter einzugehen. Sichtbar sein ist wichtig, denn es heißt keinen auszuschließen. Es können Frauen sichtbarer gemacht werden indem, gendert wird, Straßen nach ihnen benannt werden, sie in Medien erwähnt werden und allgemein Frauen ermutigt einfach aufzustehen und sagen „Hier bin ich!“.  

Dabei ist nicht zu vergessen das Bewusstsein der Menschen zu steigern, dass es ein Ungleichgewicht bei der Repräsentation von Frauen gibt. Auch die Befürwortung von Gender-Mainstreaming spielt eine wichtige Rolle, denn nur wenn etwas akzeptiert wird kann es erfolgreich umgesetzt werden.  


Quellen

o.V. Herausgeber: aspern Die Seestadt Wiens ein Projekt der 3420 (Juli 2019). Die Seestadt ist weiblich.  Zugriff am 05.02.2020 unter https://www.wien.gv.at/stadtentwicklung/projekte/aspern-seestadt/strassennamen.html 

o.V. Herausgeber: MediaAffaris (Mai 2019). Frauen-Politik-Medien Jahresstudie 2018. Schwerpunkt Frauen in der Wirtschaft. Zugriff am 05.02.2020 unter https://www.arbeiterkammer.at/interessenvertretung/arbeitundsoziales/frauen/Frauen_Politik_Medien_2018.pdf 

o.V. Herausgeber: Stadtentwicklung Wien, Magistratsabteilung 18 – Stadtentwicklung und Stadtplanung (Wien 2013). Handbuch Gender Mainstreaming in der Stadtplanung und Stadtentwicklung. Zugriff am 05.02.2020 unter https://www.wien.gv.at/stadtentwicklung/studien/pdf/b008290.pdf 

wien.gv.at/menschen/gendermainstreaming/grundlagen/definition.html Zugriff am 05.02.2020 

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