Genderneutrale Sprache: Die Stadt Wien im Test

Bild: © Stadt Wien

Von Corinna Crestani, Maryam Ghanem, Lisa Hofbauer, Sinem Şık und Aleksandra Stefanovic

Wir haben uns im Zeitraum vom 1. bis inklusive 14. Oktober (15 Tage) 169 Presseaussendungen der Stadt Wien hinsichtlich einer geschlechtergerechten Sprache genauer angeschaut und auf Basis ihres Leitfadens codiert. Wir sind auf interessante Ergebnisse gestoßen, die wir nun mit euch teilen wollen:

  • Durchschnittlich versendete der Presse- und Informationsdienst der Stadt Wien in diesem Zeitraum 12 Presseaussendungen pro Tag.
  • In 121 dieser 169 Presseaussendungen (71,6 Prozent) war gendern notwendig. Gendern war nicht notwendig, wenn zum Beispiel keine Personenbezeichnungen vorkamen oder wenn auf geschlechtsneutrale Formulierungen wie „Mensch“ oder „Publikum“, von denen es keine geschlechtsspezifischen Ausdrücke gibt, zurückgegriffen wurde.
  • Von diesen 121 Presseaussendungen, in denen gendern notwendig war, wurde in 70 Aussendungen (57,85 Prozent) gegendert, in 33 (27,27 Prozent) nicht konsequent gegendert und in 18 (14,88 Prozent) gar nicht gegendert.
  • In diesen 103 Presseaussendungen (gegenderte und nicht konsequent gegenderte Presseaussendungen) wurde insgesamt auf 126 verschiedene Arten gegegendert (in manchen Aussendungen wurde auf zwei verschiedene Arten gegendert, diese wurden dann jeweils einzeln erfasst).
  • Von diesen 126 Arten zu gendern wurde 51 Mal auf die Paarform mit Titanic-Prinzip (40,48 Prozent) zurückgegriffen, zweimal auf die Paarform ohne Titanic-Prinzip (1,59 Prozent), 55 Mal auf das Binnen-I (43,65 Prozent) und 18 Mal auf eine andere Art zu gendern (14,29 Prozent).
  • Obwohl sie im „Leitfaden für geschlechterneutrales Formulieren“ ebenfalls aufgeführt wird, wurde in der vorliegenden Forschung „geschlechtsneutrale Formulierungen“ nicht als eine Art des Genderns betrachten. Gendern wurde in der vorliegenden Arbeit als eine Art, beide (oder mehrere) Geschlechter sichtbar zu machen, betrachtet. Bei geschlechtsneutralen Formulierungen wird jedoch weder das männliche, noch das weibliche Geschlecht sichtbar gemacht.

In 76 der 169 Presseaussendungen kamen Personen zu Wort. Insgesamt wurden 153 Personen zitiert. Von diesen 153 Personen waren 60 Frauen (39,22 Prozent) und 93 Männer (60,78 Prozent).

In 136 der 169 Presseaussendungen wurden Personen namentlich erwähnt. Insgesamt wurden 451 Personen namentlich erwähnt, davon waren 169 Frauen (37,47 Prozent) und 282 Männer (62,53 Prozent).

Das Indefinitpronomen „man“ wurde in nur 19 der 169 Presseaussendungen (11,24 Prozent) verwendet.

Hier noch einmal unsere quantitative sprachliche Inhaltsanalyse in Zahlen zusammengefasst:

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