So geht genderneutrale Parkgestaltung. Ein Gespräch mit Frau Dominikus.

von Melanie Strobl und Marlene Pinzker

Vernetztes Arbeiten ist wohl der passendste Ausdruck für den Job von Ursula Dominikus. Die Landschaftsplanerin ist Teil der MA42 (Wiener Stadtgärten) und ist hauptsächlich im Projektmanagement und in der Projektentwicklung von Parkanlagen zuständig. Im Interview hat sie uns erzählt, dass bei solchen Projekten Teamarbeit gefragt ist und warum Gender Mainstreaming Maßnahmen in ihrem Beruf ein wichtiger Teil sind.

Frau DIin Ursula Dominikus. © Melanie Strobl

Eine Parkanlage zu planen und umzusetzen setzt wie bereits erwähnt Teamarbeit voraus. Frau Dominikus Aufgabe ist die Projektabwicklung.

„Also das sind einfach ganz viele Personen, die da mitwirken bei der Entstehung einer Parkanlage. Und wir müssen schauen, dass das alles geordnet, koordiniert abläuft und schauen, dass die Parkanlage so entsteht, dass sie für die Nutzerinnen in Ordnung ist.“

Auf die Frage, was die größten Herausforderungen Ihres Berufs sind, nennt Frau Dominikus zwei Dinge.

„Die Kommunikation aufrechtzuerhalten ist wichtig und die andere Herausforderung ist der Umgang mit den Bürgern. Bevor Planungen starten haben wir Bürgerbeteiligungen.”

So eine Bürgerbeteiligung fand damals beispielsweise im zweiten Bezirk beim Trunnerpark statt. „Da hat es eine große Veranstaltung gegeben, da sind alle Anrainer von diesem Park eingeladen worden. Und dann gibt‘s noch zusätzlich Befragungen in den Parkanlagen zu unterschiedlichen Zeiten und wir sind da immer involviert, (…) und das ist eigentlich oft die größte Herausforderung, einfach der Umgang mit den Bürgern, weil jeder oder viele einfach für sich etwas haben wollen und nie oder ganz selten für die Allgemeinheit sich was überlegen, sondern immer nur die eigenen Wünsche dann in den Vordergrund stellen.“

Eigene Wünsche zu äußern fällt nach Frau Dominikus‘ Erfahrungen vor Allem oft auch Mädchen schwer, wenn sie gemeinsam mit Burschen bei einem Beteiligungsverfahren befragt werden, welche Wünsche sie für eine Parkanlage hätten. Deswegen gibt es nun auch getrennte Gruppen mit eigenen Mädchen- oder Burschenbeteiligungen.

„Es hat sich gezeigt, dass die Mädchen sich dann anders hervortun, wenn sie in einer eigenen Gruppe Ideen erwirken können, weil sonst ist es oft so, dass die Burschen sich einen Fußballplatz wünschen und die Mädchen etwas, wo sie dann daneben sitzen und beobachten können. Also sie finden das dann halt auch oft cool, was die Jungs sagen und überlegen sich teilweise gar nicht, was sie sich selbst wünschen, sondern das geht oft leider auf das hin, was dann die Jungs zuerst sagen. Das ist nicht immer so, aber oft.“

Gefunden werden die Teilnehmer für ein Beteiligungsverfahren durch die Zusammenarbeit mit Jugendzentren oder über bspw. den Skater Verein, wenn es um die Planung eines Skateparks geht. Wie die Beteiligungsverfahren schlussendlich ausfallen ist unterschiedlich.

„Oft sind es nur Befragungen vor Ort, oft trifft man sich wirklich und entwickelt etwas
gemeinsam in mehreren Treffen, dass die Kinder und Jugendlichen auch schon etwas aufzeichnen können, wie sie sich das vorstellen. Im Extremfall gibt es sogar die Möglichkeit des Mitarbeitens, also dass sie dann selber Hand anlegen.“

Unter den vielen Abteilungen der Stadt Wien, mit denen Ursula Dominikus und ihre
KollegInnen zusammenarbeiten, spielen auch die ParkbetreuerInnen eine wichtige Rolle für deren Arbeit. Durch diese bekommen sie Rückmeldung, ob etwas im Park gewünscht wird oder gut bzw. schlecht funktioniert.

„Man muss nicht immer Konflikte dadurch lösen, dass man einen ganzen Park umbaut, sondern es reicht, wenn jemand, wie von der Parkbetreuung kommt und sagt, von 16 bis 18 Uhr jeden Dienstag ist der Käfig zum Beispiel nur für Mädchen da, dass die den nutzen können. Die machen sehr viel Jugendarbeit im Park und geben uns dann Rückmeldung, wenn es wirklich irgendwo an einer Gestaltung scheitert, dass etwas gebraucht wird.“

Maßnahmen im Bereich Gender Mainstreaming wurden von den zuständigen Magistraten schon vor vielen Jahren verfolgt. Mitte der Neunziger Jahre wurden erstmals zwei Wiener Parks umgestaltet und somit gendergerecht gestaltet. Mit eigens dafür zuständigen Gruppen haben die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Stadt Wien speziell auf die Bedürfnisse der Mädchen geachtet und diese in die Gestaltung miteinfließen lassen. Viele Bereiche der beiden Parks waren schlecht beleuchtet und zu wenig einsichtig.

„Das hat einfach so ein ungutes Gefühl bei den Mädchen erzeugt, dass sie den Park teilweise gar nicht mehr nutzen wollten. Dadurch, dass jetzt alles offen und transparent gestaltet ist, hat der Park einen ganz anderen Flair bekommen.“

Seither werden alle Parks genderneutral gestaltet und es wird auf die Anliegen von Burschen und Mädchen individuell eingegangen. Gender Mainstreaming-Maßnahmen sind seitdem Teil des Park- Leitbilds, wonach Parks geplant und gebaut werden. „Es gibt auch noch ein paar veraltete Flächen, aber die werden verschwinden, weil man nach und nach alle Grünflächen umgestaltet.“

Marlene Pinzker und Frau Dominikus im Gespräch
© Melanie Strobl

Eines der Hauptziele der Parkgestaltung nach aktuellen Standards ist die Sicherheit und das Sicherheitsempfinden der Besucherinnen und Besucher. „Dass man Transparenz schafft, dass die Beleuchtung passt und dass man ohne Angst zu haben durchgehen kann, das sind sehr wichtige Aspekte in Bezug auf Gender Mainstreaming in Parkanlagen.“

Ein weiterer Punkt, worauf besonders geachtet wird, ist die Bereitstellung entsprechender Sport- und Bewegungsflächen für Mädchen. Oft steht nur ein Fußballfeld zur Verfügung. Um den Mädchen ebenfalls einen Platz zu geben, wird gerne ein Volleyballfeld dazu gebaut. Das hängt von den Wünschen der jeweiligen Parknutzerinnen und -nutzer ab.
Oftmals ist die Hemmschwelle, in ein umzäuntes Sportfeld zu gehen, höher. Aus diesem Grund werden die sogenannten Käfige seit einigen Jahren offener und einladender gestaltet. Allerdings steht die Sicherheit im Straßenverkehr im Vordergrund. „Wenn aus Sicherheitsgründen nichts dagegen spricht, werden die Käfige offener gestaltet und weniger umzäunt.“

Größtenteils wird die offenere Gestaltung von den Nutzergruppen sehr positiv
aufgenommen.
„Bei ein paar Parkanlagen gibt es sogar die Reklamation, dass man für das einfachere Spielen wieder Zäune aufstellen soll, aber grundsätzlich denke ich schon, dass weniger Zäune bevorzugt werden.“

Feedback bzw. Verbesserungsvorschläge erhalten die Magistrate über die „Sag‘s Wien-App“ sowie von der Jugendbetreuung in den jeweiligen Bezirken. Einmal jährlich findet in jedem Bezirk Wiens ein Kinder- und Jugendparlament statt, wo Kinder und Jugendliche Rückmeldung zu einzelnen Parkanlagen oder zur generellen Parkgestaltung geben können.
„Für die Zukunft gehen wir weiter unsere Linie, dass wir Bürgerinnen und Bürger in die Planungen und Projekte involvieren, weil wir sehen, dass die Parks dann besser angenommen werden.“

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