Frauen in Medien: Der lange Weg nach oben

Von Lucija Vukman

„This is a man’s world“ sang James Brown im Jahr 1966. Was hat sich geändert, heute, im Jahr 2019, über 50 Jahre später? Ein Blick in die Medien und eines ist schnell klar: Die Welt ist noch immer eine männlich dominierte. Dabei ist Österreich keine Ausnahme. Die österreichische Studie „Frauen – Politik – Medien 2018“ der Agentur Media Affairs zeigt, dass Frauen in der medialen Berichterstattung deutlich unterrepräsentiert sind. Lange schon werden Medien dafür kritisiert, Rollen- und Geschlechterklischees zu verfestigen. Einen Einfluss darauf hat Gender selbst: Journalistinnen selektieren Nachrichtenwerte ganz anders als ihre männlichen Kollegen, und somit, was in die Öffentlichkeit gelangt. Frauen sind in den Medien fast unsichtbar: Sowohl beim Erzeugen von Nachrichten, als auch in den Nachrichten selbst (GMMP 2015).

Unsichtbar sein – damit wird oft Frausein im Allgemeinen assoziiert. Die Arbeit der Frau wird geringer entlohnt, weil in vielen Fällen ein Teil davon unsichtbar bleibt – und somit unbezahlt. Darunter fallen Aufgaben wie Kinderbetreuung, Pflege und Haushalt. Arbeit, die Frauen meist dazu zwingt, eine Vollzeitstelle aufzugeben oder erst gar nicht anzunehmen. Nur 68 Prozent der Frauen, die als Journalistinnen arbeiten, sind Vollzeit angestellt; im Gegensatz dazu haben 82 Prozent der Journalisten eine Vollzeitanstellung (Kirchhoff/Prandner 2016: 51). In der heutigen Zeit sehen sich Frauen mit der Entscheidung konfrontiert, zwischen Karriere und Familie zu entscheiden. Aufgabe der Politik wäre es, Frauen diese Entscheidung zu nehmen, indem sie gar nicht erst vor die Wahl gestellt werden. Alles, was es dazu braucht, ist, diese unsichtbare Arbeit anzuerkennen und sie entsprechend zu entlohnen. In diesem Sinne würde sich eine Vollzeitanstellung aus der professionellen Tätigkeit und der häuslichen Arbeit zusammensetzen. Um Geschlechterungleichheiten auszuschließen, sollte das Modell auch von Männern in Anspruch genommen werden können.

Auf diese Weise wäre es ebenso möglich, Altersarmut zu bekämpfen. Dadurch, dass Frauen öfters auf eine Vollzeitstelle verzichten, ist ihre Wahrscheinlichkeit unter Altersarmut zu leiden, deutlich höher. Der in Wien berechnete „Equal Pension Day“ markiert jenen Tag, an dem Männern schon die Höhe der Pension ausbezahlt wird, die Frauen bis Jahresende bekommen werden. Dieses Jahr ist es der 29. Juli. Das zeigt, dass die Pensionslücke zwischen den Geschlechtern um die 42 Prozent beträgt. Im Vergleich dazu: In Österreich gibt es einen Einkommensunterschied von 15,6 Prozent zwischen Frauen und Männern.

Solidarisierung. Was tatsächlich schon getan wurde, ist es, ein Netzwerk zu schaffen, welches Frauen in der Kommunikationsbranche bildet und fördert, und somit auf dem Weg nach oben verhilft. So ein Netzwerk ist beispielsweise die Initiative des Österreichischen Journalistinnenkongresses. Dieser ist ebenfalls dafür verantwortlich, dass der Task Force „Frauen im ORF“ die MedienLÖWINNEN-Auszeichnung 2017 verliehen wurde. Diese Auszeichnung hat meiner Meinung nach zwei besondere Bedeutungen: Einerseits wurde die Arbeit von Frauen mit dem Fokus auf Geschlecht gewürdigt, und andererseits wurde dazu beigetragen, die Task Force einer breiteren Öffentlichkeit vorzustellen – in dem medial darüber berichtet wurde.

Unser Projekt hat mich auf eine ganz persönliche Weise inspiriert. Ich sehe mich nicht nur als baldige Kommunikationswissenschaftlerin, sondern ebenso als angehende Journalistin. Über all diese Zahlen und Fakten zu lernen, nicht nur in Österreich, sondern weltweit, hat meinen Blick auf den journalistischen Beruf geändert. Früher glaubte ich, über Politik und Wirtschaft schreiben zu wollen; nicht nur all meinen zukünftigen männlichen Berufskollegen, sondern auch meinen ehemaligen männlichen Schulkollegen zu zeigen: Ich kann das auch und ich bin eine Frau. Heute sehe ich das ein wenig anders. Sich als Frau durchzusetzen, bedeutet nicht, in einer männlich dominierten Umgebung eine männliche Sichtweise anzunehmen. Es bedeutet vielmehr, in eine männlich dominierte Welt eine weibliche Perspektive reinzubringen. Zu zeigen, dass Frauen- und Geschlechterthemen auf die Tagesagenda gehören, selbst wenn es sich nicht um weltweite Bewegungen wie #metoo handelt. Ich sehe meine Aufgabe als angehende Journalistin darin, zu informieren – über Themen, denen bisher zu wenig Beachtung geschenkt wurde. Außerdem besteht meine Verantwortung darin, bewusst diese Themen auszuwählen und das immer und immer wieder, nämlich kontinuierlich über frauen- und geschlechterbezogene Themen zu berichten.

Das, was mich an diesem Projekt rückblickend am meisten erfreut, und gleichzeitig auch ein wenig traurig macht, ist, dass wir ein Team sind, das ausschließlich aus Frauen besteht, unter der Leitung einer Frau. Selbstverständlich ist es bestärkend; auch im Hinblick darauf, was wir alles in so kurzer Zeit auf die Beine gestellt haben. Dennoch ist es ohne Frage wichtig, dass sich auch Männer für Gender Mainstreaming interessieren und einsetzen. Das, was mich im Zuge unseres Projektes am meisten bewegt hat, ist, dass es tatsächlich noch eine große Kluft zwischen den Geschlechtern in Führungspositionen gibt – das sogenannte Glass Ceiling, die unüberwindbare Schwelle nach oben für Frauen. Dabei beweist die ORF Task Force, was Frauen alles bewegen können. Wir mit unserem Forschungsprojekt eigentlich auch. Und das wusste James Brown sogar schon im Jahr 1966: „It wouldn’t be nothing, nothing without a woman“.

Quellen:

Global Media Monitoring Project (2015): Who makes the news? Austria National Report.

Susanne Kirchhoff and Dimitri Prandner (2016): Austria. Working Conditions, Representation ans Measures Towards Gender Equality. In: Karen Ross and Claudia Padovani: Gender Equality and the Media. A Challenge for Europe. New York: Routeledge. 47-59.

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