Kein Geld für Geschlechtergerechtigkeit?

Bild: © Ibrahim Rifath/unsplash

Die Relevanz von Gender bei der Vergabe von Medienförderungen 

von: Baciu, Andreea; Bilogrevic, Filip; Gsaller, Theresa; Hörmandinger, Lea; Lukashuk, Diana; Nguyen, Ngoc Toan; Vukman, Lucija

©2016, John R. Anderson Jr for HR Magazine (https://www.shrm.org/hr-today/news/hr-magazine/1116/pages/hr-key-in-helping-organizations-achieve-gender-equality.aspx

Abstract

“Every time we mention Gender Equality, merit is usually thrown out of the window. Your ability to deliver is not determined by what is in between the legs but by what is in between your ears.”

― DON SANTO

Knapp ein Jahrhundert nach den ersten größeren Frauenrechtsbewegungen in Österreich, könnte man vermuten, dass die Gleichstellung zwischen den Geschlechtern mittlerweile in allen Bereichen zur Normalität geworden ist. Von vielen Seiten gibt es Bemühungen um Gleichstellungspolitik, vor allem was den öffentlichen Bereich angeht. Diese Gleichstellung ist sogar in Gesetzen verankert, jedoch werden diese in verschiedenen Sparten unterschiedlich durchgesetzt und es kommt immer noch häufig zu einer Benachteiligung von Frauen, besonders im Berufsleben. Auch die Medienförderungen bilden da keine Ausnahme. In der vorliegenden Arbeit sind wir der folgenden Forschungsfrage nachgegangen: Inwiefern werden Gender und Gleichstellung bei der Vergabe der Förderungen von der KommAustria/RTR berücksichtigt?

Die Rundfunk und Telekom Regulierungs-GmBH (RTR) ist verantwortlich für die Entscheidung und Vergabe dieser Förderungen und steht deshalb im Zentrum unserer Forschungsarbeit. Unsere Ergebnisse stützen sich lediglich auf quantitative Untersuchungen. So konnten wir im Laufe dieser herausfinden, dass sie ihrer Verantwortung wie es im Mediengesetz vorgeschrieben ist, nur unzureichend gerecht werden. Um unsere theoretischen Ergebnisse zu untermauern, haben wir die Förderungen von bekannten Tageszeitungen mit der bestehenden Frauenquote in den Redaktionen bzw. Chefredaktionen verglichen. Hierbei wurden die Rohdaten über die Geschlechterverteilung in den Redaktionen von sieben großen Tageszeitungen, die von ehemaligen Seminarteilnehmer*innen erhoben wurden, ausgewertet und mit den vergebenen Summen der RTR aus dem Jahr 2019 verglichen. Bei den anderen Tageszeitungen, die eine Förderung erhielten, war nur der Geschlechteranteil in den Chefredaktionen mithilfe des Impressums eruierbar. Der Anteil in den Redaktionen selbst konnte aufgrund mangelnder Transparenz nicht ermittelt werden.

Wir sind zu dem Ergebnis gekommen, dass die Höhe der Förderung in keiner Korrelation mit den Frauenanteilen in den Redaktionen steht. Das führt wiederum zu der Annahme, dass Gleichstellungspolitik bei der Vergabe für die RTR so gut wie keine Rolle spielt. Außerdem wurde bei der Recherche zu den einzelnen Förderungsfonds ersichtlich, dass für die Vergabe von Förderungen das Thema Geschlecht, Gender und Gleichstellung keine Voraussetzungen darstellen, und somit nicht ausschlaggebend sind. Die Daten, die uns zu diesen Ergebnissen geführt haben, waren weder einfach zu erheben noch zu interpretieren. Die Informationen der RTR sind teilweise schwer zugänglich, unklar formuliert und lassen viel Raum für Interpretationen. Nichtsdestotrotz konnten wir zum Thema Gender Equality und Transparenz in Bezug auf Medienförderungen auch ein positives Beispiel im Filmbereich herausfiltern.

Unsere quantitative Auswertung hat gezeigt, dass selbst in so einem wichtigen Bereich, bei dem man nicht denkt, dass Geschlechterunterschiede ein Thema wären, noch keinen Platz in den Richtlinien dafür gefunden hat. Fakt ist, dass etwas geändert werden muss, damit jedes Geschlecht die gleichen Möglichkeiten hat.


Almost one century after the first major women’s rights movements in Austria, one could assume gender equality has become a norm in all areas. Efforts are being made on many sides to implement equality policies, especially in the public sphere. Even though equality is enshrined in many laws, it is enforced differently in various sectors and to this day discrimination against women occurs, especially in professional life. The media subsidies are no exception.In this paper, we pursued the following research question: To what extent are gender and equality taken into account by KommAustria/RTR when awarding subsidies?


Rundfunk und Telekom Regulierungs-GmBH (RTR) is responsible for deciding and awarding these subsidies and is therefore the focus of our research. Our findings are based solely on quantitative studies. In the course of these, we were able to find out that they are only insufficiently fulfilling their responsibility as stipulated in the Media Act. In order to substantiate our theoretical findings, we compared the promotions of well-known daily newspapers with the existing quota of women in the editorial offices or editors-in-chief. We analyzed the raw data on the gender distribution in the editorial offices of seven major daily newspapers, collected from former seminar participants*, and compared them with the RTR’s awarded totals from 2019. In the case of the other daily newspapers that received funding, it was only possible to determine the gender proportion in the editorial offices with the help of the masthead. The proportion in the editorial offices themselves could not be determined due to a lack of transparency.

We came to the conclusion that the amount of funding has no correlation with the proportion of women in the editorial teams. This, in turn, leads to the assumption that gender equality policy plays virtually no role in the allocation process for RTR. In addition, research on the individual grant funds revealed that the topic of sex, gender and equality are not prerequisites for the awarding of grants, and are therefore not decisive. The data that led us to these results were neither easy to collect nor to interpret. Some of the information provided by RTR is difficult to access, unclearly worded, and leaves a lot of room for interpretation. Nevertheless, we were also able to filter out one positive example in the film sector on the topic of gender equality and transparency in relation to media subsidies.

Our quantitative evaluation showed that even in such an important area, where you wouldn’t think gender differences would be an issue, there is still no place for it in the guidelines. The fact is that something needs to be changed so that each gender has the same opportunities.

1.   Einleitung

Gender und Geschlechtergleichstellung[1] ist noch immer in vielen Bereichen ein polarisierendes Thema, so auch bei den Medienförderungen. Ziel der Medienförderung ist es nicht nur Vielfalt und Qualität in allen Marktsegmenten herzustellen, sondern auch Medienpluralität und Diversität in den Medien zu sichern und zu fördern. Zum Thema Diversität, nicht nur in der Bevölkerung sondern auch in den Medien gehört das Thema Gender/Geschlecht. Wenn man nun Medienpluralität und Diversität in der Medienpolitik und in den Medienförderungen möglichst weitreichend umsetzten möchte, so stellt Gender auch ein wichtiger Faktor dessen dar. Durch die Einbeziehung von Gender in die Medienpolitik entsteht eine geschlechtsspezifische Vielfalt, die in der heutigen Gesellschaft dringend benötigt wird, um eine gleichberechtigte Vertretung von Männern und Frauen in verschiedenen Bereichen der Medienpolitik, wie zum Beispiel im System der/ bezüglich Medienförderungen zu vertreten und zu unterstützen.

In dem vorliegenden Forschungsbericht ist aus diesem Grund folgende Frage zentral: Wird Gender bei der Medienförderungsvergabe berücksichtigt? Das Ziel dieses Forschungsberichtes ist es herauszufinden, ob bei der Vergabe von Förderungen der Diversitätsfaktor Geschlecht mit einbezogen wird. Es soll aufgezeigt werden, wie die Rundfunk und Telekom Regulierungs-GmBH (kurz RTR), welche für die Vergabe der Förderungen in Österreich zuständig ist, sowie österreichische Medienhäuser, mit Geschlechterparität umgehen.

Dazu haben wir uns im ersten Schritt alle Förderungsformate der RTR näher angeschaut. Weiters zeigen wir am Beispiel Printzeitungen die Empfänger und die Höhe des Fördergeldes, um dann in Folge die Bedeutung von Gender bei der Vergabe der Förderungen genauer zu analysieren. Zu diesem Zweck wurde der Frauenanteil in der Redaktion von zwölf Tageszeitungen in Verbindung mit der Höhe der erhaltenen Förderungen untersucht. Abschließend haben wir die Österreichischen Filmförderungen als Best-Practice-Beispiel für Transparenz zu Geschlechterverteilungen herangezogen, und die wichtigsten Ergebnisse ihres Film Gender Reports aus dem Jahr 2018 erläutert.

2.    Die Kommunikationsbehörde Austria: Medienförderungen der Rundfunk und Telekom Regulierungs-GmBH (RTR)

Die Kommunikationsbehörde Austria (im Folgenden KommAustria) ist die “unabhängige und weisungsfreie Regulierungs- und Aufsichtsbehörde für die elektronischen Audiomedien und die elektronischen audiovisuellen Medien in Österreich” (RTR Die KommAustria). Zu ihren Aufgaben zählt, den Österreichischen Rundfunk (ORF) und seine Tochtergesellschaften zu beaufsichtigten. Des Weiteren ist sie dafür verantwortlich, die Medien- und Meinungsvielfalt, sowie einen fairen Wettbewerb am österreichischen Medienmarkt zu bewahren. Die KommAustria wird bei ihren Aufgaben von den RTR Medien administrativ unterstützt (vgl. RTR Die KommAustria), d.h. die RTR fungiert als Geschäftsstelle der RTR und verwaltet und vergibt Medienförderungen. Die Förderungen sind dazu da, die Medienvielfalt in Österreich zu erhalten und weiterzuentwickeln, sowie den fairen Wettbewerb zu unterstützen. Um dieses Ziel zu erreichen, besteht ein Budget von jährlich 37 Millionen Euro insgesamt (vgl. RTR Die Förderungen). Diese Fördermittel sind in sieben Fonds organisiert, auf die im Folgenden näher eingegangen wird (vgl. RTR Die RTR Medien).

2.1 Digitalisierungsfonds

Der Digitalisierungsfonds wird seit 2004 vergeben und soll digitale Anwendungen und Übertragungstechniken im Zusammenhang mit Rundfunkprogrammen auf den Grundlagen europäischer Standards fördern. Grundlagen und Ziele dieses Fonds beruhen auf dem Aktionsplan eEurope 2005. Dieser Plan sieht vor, digitales Fernsehen so rasch wie möglich auszubauen. Der Fond wird jährlich technologieneutral vergeben und soll alle Plattformen und Verbreitungswege von digitalem Rundfunk miteinbeziehen. Die jährlich durch den Geschäftsführer der RTR, nach der Stellungnahme der KommAustria, vergebene Summe des Fonds beläuft sich auf 500.000 Euro, die unter anderem auch aus Teilen der Rundfunkgebühren finanziert wird. Das Ziel dieses Digitalisierungsfonds ist eine Stärkung und Erneuerung von Plattformen, deren Hauptaufgabe die Übertragung von Rundfunk ist und dessen besondere Kommunikationsinfrastruktur einen wichtigen Teil einer demokratischen Gesellschaft einnimmt (vgl. RTR Digitalisierungsfonds 2020).

2.2 Fernsehfonds

Die Förderentscheidungen für Fernsehfonds werden unter Berücksichtigung der Förderungsziele nach Stellungnahme durch den Fachbeirat durch die Geschäftsführer

getroffen. Dies soll zur Steigerung der Qualität der Fernsehproduktion und Leistungsfähigkeit der österreichischen Filmwirtschaft beitragen, den Medienstandort Österreich stärken und die vielfältige Kulturlandschaft gewährleisten. Außerdem soll es dadurch einen Beitrag zur Stärkung des audiovisuellen Sektors in Europa leisten. Die Ziele der Förderung durch Fernsehfonds ist vor allem nationale Präsenz. So soll dies u.a. die Wertschöpfung der ausbezahlten Förderungen in Österreich erhöhen. Die geförderten Projekte sollen einer Verwertungsförderung zugeführt werden und der Finanzierungsanteil der TV-Sender bei der Herstellung der zu geförderten Projekte steigern. Mit den Koproduktionen sollen mehr Finanzierungsmittel nach Österreich gebracht werden (vgl. Richtlinien Fernsehfonds Austria 2018: 5).

Für die Vergabe von Förderungen sind mehrere Aspekte zu bedenken, in denen die Richtlinien von RTR beachtet und bei der Europäischen Kommission gemeldet sein sollten. Unter die Förderungskriterien fällt der kulturelle Test. Die Herstellungsförderungen werden nur überreicht, wenn der Inhalt über überprüfbare nationale Kriterien kulturellen Inhalts verfügt. Mindestens drei der Kriterien müssen dafür erfüllt sein (Richtlinien Fernsehfonds Austria 2018: 6):

  • Produktion basiert auf einem österreichischen oder europäischen Thema/Stoff,
  • Produktion spielt in Österreich oder im EWR,
  • Produktion handelt von für Österreich oder Europa relevanten Themen,
  • Produktion spiegelt die vielfältige österreichische oder europäische Kultur oder
    Kreativität wider,
  • Produktion dient der Erhaltung des allgemeinen kulturellen Erbes,
  • Verwendung österreichischer oder europäischer Motive oder Drehorte,
  • Mitwirken von HauptdarstellerInnen (wurde auf der Seite nicht gegendert) oder schöpferischen Filmschaffenden in verantwortlichen Positionen aus Österreich oder dem EWR.

Außerdem gibt es bestimmte Richtlinien für die Finanzierung der Förderungen, die nur erfolgt, wenn ein oder mehrere Fernsehveranstalter an der Finanzierung der Produktion mit mindestens 30% an den Gesamtherstellungskosten beteiligen.

Die Beteiligung muss auch vorwiegend oder ausschließlich aus Presales, einem garantieren Lizenzkauf, bestehen, welche mindestens 50% des Finanzierungsbeitrages zu Drehbeginn zur Verfügung stehen sollten. Wenn der Fall eintritt, dass ein bei der Finanzierung beteiligter Fernsehveranstalter seinen Anteil in Form von bewerteten Archivmaterial und/oder sonstigen Beistellung in die Produktion einbringt, dürfen diese Leistungen maximal zu 50% seiner Beteiligung beitragen. 50% muss der Lizenzanteil des Fernsehveranstalter betragen und muss in Barmitteln geleistet werden.

Eine darauf aufbauende Richtlinie, im Bezug auf das Verwenden von Archivmaterial, muss klargestellt sein, unter welchen Bedingungen und zu welchem Lizenzpreis der Produzent Rechte erwerben kann, die dieser für die darüber hinausgehende Nutzung bzw. Verwertung der Produktion benötigt. Als fünfte Richtlinie können Produktionen mit einer hohen Beteiligung eines oder mehrerer Fernsehveranstalter bevorzugt werden (vgl. Richtlinien Fernsehfonds Austria 2018: 9).

In dem Kommunikationsbericht der RTR von 2019 lässt sich ein kurzer Anriss zu den Frauenanteilen in den geförderten Projekten finden (vgl. 2019: 63).


2.3 Presseförderung

Nach dem Presseförderungsgesetz (2004) sollen der Vertrieb von Tages- und Wochenzeitungen gefördert werden. Um die Vielfalt der Tageszeitungen zu erhalten und zu sichern wird sogar auf besondere Förderungen eingegangen. Inhaltlich sollen sie beide vorwiegend politische, allgemein wirtschaftliche und kulturelle Informationen zur Meinungsbildung beitragen. Durch die direkte Förderung handelt es sich um Maßnahmen in Form von finanziellen Zuwendungen. Durch sie könnte man eine Qualitätsförderung gewährleisten und dadurch wiederum die Zukunft der Zeitungen (vgl. RTR Presseförderungen 2020).

Die Zeitungen sollten eigenständig gestaltete Beiträge liefern können: Das bedeutet mehr als die Hälfte dürfte weder mit Inhalten in Kooperation mit anderen Zeitungen noch von Werbeanzeigen befüllt sein. Entscheidungsgewalt über die Förderungswürdigkeit behält sich die KommAustria, wobei die Förderverwaltung in Zuständigkeit eines Einzelmitgliedes fällt. Die Presseförderungskommission hält als Beratung hin und auch die RTR leistet fachliche und administrative Unterstützung. Bewerben können sich nicht nur Verleger der Tages- und Wochenzeitungen. Qualifiziert wären auch Vereinigungen von Journalistenbildung, Presseklubs, Forschungsprojekte auf Gebiet des Pressewesens und Vereinigungen, mit dem ausschließlichen Ziel der Leseförderung (vgl. Kommunikationsbericht 2019).

2.4 Selbstkontrolleinrichtungen

Auch Selbstkontrolleinrichtungen werden laut Gesetz gefördert. Hierbei ist der ‘Fond zur Förderung der Selbstkontrolle der Presse’ mit 150 000 Euro jährlich angegeben, wohingegen bei Selbstkontrolleinrichtungen der kommerziellen Kommunikation 50 000 Euro dotiert sind. Anerkannte Einrichtungen können diesen Betrag durch Vergabe durch die KommAustria erhalten. Die Einreichung zur Förderung erfolgt jeweils am Jahresanfang bzw. im ersten Quartal (bei der kommerziellen Kommunikation bis zum 15.2, bei der nichtkommerziellen Presse bis 31.3). Bei den Einrichtungen für die kommerziellen Kommunikation gibt es einmal jährlich eine Auszahlung, bei den Institutionen zur Kontrolle der Presse werden zwei gleich hohe Teilbeträge jährlich ausgezahlt. In beiden Fällen wird die Entscheidung für oder gegen eine Förderung durch die KommAustria getroffen, nach der Einholung des Gutachtens der Presseförderungskommission (vgl. RTR Förderungen von Selbstkontrolleinrichtungen 2020). Im Jahr 2020 gab es allerding laut RTR nur eine eingereichten Antrag einer Selbstkontrolleinrichtung, welche dann auch gefördert wurde (vgl. RTR Vorläufige Ergebnisse der Presseförderungen im Jahr 2020 2020).

2.4.1 Richtlinien und Kriterien zur Förderung der Selbstkontrolleinrichtungen der nicht kommerziellen Presse

Bei der Förderung der Selbstkontrolleinrichtungen für die nicht kommerzielle Presse soll in erste Linie deren Unabhängigkeit bewahrt und sichergestellt werden. Weiters, sollen deren Entscheidungen und Beschlüsse wirksam durchgesetzt werden können. Durch die Förderung sollen die Kosten der Institutionen gedeckt werden, welche nötig sind, um die eigenen Aufgaben zu erfüllen. Beim Ansuchen muss eine Verfassung der Einrichtung, eine Kostenaufstellung, sowie ein Organisations- und Personalplan übermittelt werden.

Die Repräsentativität einer Einrichtung wird gewährleistet durch die Vereinigung österreichischer Zeitungen und Journalisten in österreichischen Printmedien (diese müssen aufgrund ihrer Tätigkeit von wirtschaftlicher Bedeutung sein).

Die KommAustria versteht unter „förderungswürdige Selbstkontrolleinrichtungen“, die Geld aus dem Förderungsfond bekommen können, jene Selbstkontrolleinrichtungen, die als repräsentativ für die Kontrolle der österreichischen Presse anzusehen sind und deren Unabhängigkeit sichern. Leider ist weder angeführt, welche Selbstkontrolleinrichtung den Betrag erhalten hat oder inwiefern diese von der Förderung abhängig ist.  Ebenfalls nicht näher definiert ist, was die KommAustria detailliert als Selbstkontrolleinrichtung versteht (vgl. RTR Richtlinien für Förderungen gemäß Presse-Förderungsgesetz 2004 2020).

Die Begriffe Selbstregulierungs- und Selbstkontrolleinrichtungen meinen jedoch laut „Medienhaus Wien“ beide in etwa das gleiche. Der Begriff Selbstkontrolleinrichtung ist laut den allgemeinen Definitionen ebenso bezogen auf andere Medienformate, zum Beispiel auf kommerzielle Medien (vor allem in Bereichen, in denen Journalismus, PR und Werbung verschmelzen, kommt es oft zu ethisch fragwürdigen Verhalten), sowie verschiedene Medienkanäle, darunter auch audiovisuelle (vgl. medienhaus-wien).

Es ist also stark davon auszugehen, dass in diesem Fall „Selbstkontrolleinrichtung“ von der KommAustria als Synonym für „Selbstregulierung“ genutzt, oder dass „Selbstkontrolleinrichtung“ als ein Überbegriff verwendet wird. Somit wären etwa Einrichtungen wie der Presserat gemeint.Bei den Selbstkontrolleinrichtungen, die für die kommerzielle Kommunikation zuständig sind dürfte es sich um Organisationen wie etwa den PR Ethik Rat oder den Werberat handeln.

Eine Förderung gibt es für Personal und Sachkosten, sowie Anschaffungskosten für Wirtschaftsgüter und externe Leistungen, die zugekauft werden müssen.

  • Personalkosten müssen aufgeschlüsselt werden
  • Steuerzahlungen müssen nachgewiesen werden
  • Dokumentation der zugekauften Güter und Leistungen (vgl. RTR Richtlinien für Förderungen gemäß Presse-Förderungsgesetz 2004 2020)
2.4.2 Richtlinien und Kriterien zur Förderung der Selbstkontrolle für die kommerzielle Kommunikation

Voraussetzungen:

  • Anerkannte Einrichtung zur Selbstkontrolle im Bereich kommerzielle Kommunikation bzw. Wirtschaftswerbung
  • Breite Repräsentanz der Berufsgruppen und hinreichende Transparenz der Entscheidungsgrundlagen und Verfahren zu ihren eigenen Kontrollentscheidungen.

Auch hier soll die Unabhängigkeit der Institution gewährleistet werden durch Förderungen.

Folgende Anhänge muss es bei einem Ansuchen geben

  • Vereinsstatuten und Mitgliedsverzeichnis
  • Von Wirtschaftsprüfer*in geprüftes Verzeichnis aller im Vorjahr entstandenen Kosten und ein Vermögensverzeichnis
  • Tätigkeitsbericht
  • Ausblick auf das begonnene Jahr (vgl. RTR  Richtlinien Förderung der Selbstkontrolle kommerzielle Kommunikation 2020)


2.5 Publizistikförderung

Innerhalb der Publizistikförderung werden „periodische Druckschriften gefördert, die mindestens viermal und höchstens vierzigmal pro Jahr erscheinen“ (Publizistikförderungsgesetz 1984). Gesetzliche Grundlage dafür ist der Abschnitt II des Bundesgesetzes über die Förderung politischer Bildungsarbeit und Publizistik 1984 (vgl. Publizistikförderungsgesetz 1984 – PubFG). Im Abschnitt II des Publizistikförderungsgesetzes 1984 können auch die Förderungsvoraussetzungen nachgelesen werden. Diese Förderungsvoraussetzungen dienen hauptsächlich Zeitungen, die sich überwiegend mit politischen, kulturellen oder weltanschaulichen (religiösen) Fragen oder der damit zusammenhängenden wissenschaftlichen Disziplinen auf hohem Niveau beschäftigen, sich nicht allein an ein Fachpublikum wenden und dadurch der staatsbürgerlichen Bildung dienen. Reine Fachzeitschriften oder Zeitschriften, die sich mit anderen Themenbereichen befassen, zählen gemäß dem Abschnitt II des Bundesgesetzes über die Förderung politischer Bildungsarbeit und Publizistik 1984 (kurz: PubFG) nicht zur Zielgruppe dieser Förderung. Insgesamt stellen die geförderten Zeitschriften jedoch eine große Bandbreite dar. Darin enthalten sind Zeitungen, die sich nicht nur mit religiösen, politischen und wissenschaftlichen Themen befassen, sondern auch zum Beispiel feministische Zeitungen (vgl. RTR Kommunikationsbericht 2019). Die KommAustria entscheidet dabei über die Zuteilung der Förderungsmittel, hat jedoch bei ihrer Entscheidung auf die Vorschläge des Publizistikförderungsbeirates Bedacht zu nehmen (vgl. Publizistikförderungsgesetz 1984). Der Beirat beschließt Richtlinien, an denen er sich bei der Erstellung seiner Vorschläge orientiert, dabei sind aber die KommAustria an die Vorschläge und an die Richtlinien des Beirats nicht gebunden (vgl. Richtlinien des Publizistikförderungsbeirats 2019).

Im Jahr 2019 wurden bei der KommAustria 75 Ansuchen um Förderung einer periodischen Druckschrift gemäß dem Abschnitt II des Publizistikförderungsgesetzes 1984 eingebracht. 73 Ansuchen wurden bewilligt, zwei Ansuchen wurden mangels Erfüllung der gesetzlichen Förderungsvoraussetzungen abgelehnt. Für die Publizistikförderung standen im Jahr 2019 340.000,- Euro zur Verfügung. Die Förderungsbeträge lagen zwischen 1.360,- und 12.684,- Euro (vgl. Entscheidungen zur Publizistikförderung).

2.6 Nichtkommerzieller Rundfunkfond

Im Jahr 2009 wurde mit der Novelle des KommAustria Gesetzes die lange geforderte Fonds zur Förderung des nichtkommerziellen Rundfunks eingereicht. Die Mittel des Fonds gehen an nichtkommerzielle Hörfunkveranstalter, nichtkommerzielle Fernsehveranstalter und nichtkommerzielle Veranstalter. Dadurch soll das duale Rundfunksystem gefördert und die Vielfalt der Medienlandschaft erhöht werden: ein vielfältiges und hochwertiges Programmangebot soll sichergestellt werden, welches einen Beitrag zur Förderung der österreichischen Kultur, des österreichischen und europäischen Bewusstseins sowie der Information und Bildung der Bevölkerung leistet. Die Vergabe der Mittel erfolgt für Inhalte, Ausbildungen und Studien. Die Antragstellung erfolgt ausschließlich über das von der RTR-GmbH zur Verfügung gestellte Online-Formular (vgl. RTR nichtkommerzielle Rundfunkfonds 2020; KommAustria Gesetz 2009).

Der NKRF wird von der RTR verwaltet. Die Förderentscheidung trifft auf Vorschlag eines Fachbeirates RTR-GF Mag. Oliver Stribl. Die Mittel für den Fonds stammen aus den dem Bundeshaushalt aus der Rundfunkgebühr. „Nichtkommerzielle Rundfunkveranstalter“ und Rechtsträger von nichtkommerziellen Veranstaltern zählen zu den Begünstigten: 14 Freie Radios, 3 Community TV Stationen, der Dachverband „Verband der Freien Radios“ und das Weiterbildungsinstitut „COMMIT“ (vgl. KommAustria-Gesetz 2009; VCFOE 2019).

Im Jahr 2019 standen 3 Millionen Euro für Fördermittel für den Nichtkommerziellen Rundfunk zur Verfügung. 2020 gab es eine Erhöhung der Mittel um EUR 2 Mio. als Unterstützung in der Corona Krise im 2. Fördertermin. Beim 1. Antragstermin 2019 gab es 78 Anträge von Hörfunkveranstaltern, zwei von Ausbildungsinitiativen und 14 von TV- Veranstaltern. Es wurden 14 nichtkommerzielle Radios, drei Community-TV-Stationen und zwei Ausbildungseinrichtungen aus dem Rundfunkbereich gefördert. Somit wurden  2.754.740,- Euro vergeben. 879.795,- Euro davon gingen an den TV-Bereich, 1.794.945,- Euro an den Radiobereich und 80.000,- Euro an Ausbildungseinrichtungen. 2.449.950,- Euro erhielt die Inhalteförderung, 284.790,- Euro die Ausbildungsförderung und 20.000,- Euro die Förderung von Studien. Beim 2. Antragstermin wurden die Restmittel von 129.291,- Euro vergeben: 89.271,- Euro – Hörfunk (Es wurden Inhalte und Ausbildungsmaßnahmen von elf Radios gefördert); 35.020,- Euro gingen an drei TV-Stationen und 5.000,- Euro an eine Ausbildungseinrichtung. Der 1. Fördertermin 2021 für das Ansuchen des Rundfunkfonds begann am 1 Oktober 2020 und wurde aufgrund des Lockdowns auf den 6 November verlängert (vgl. RTR Kommunikationsbericht 2019; RTR nichtkommerzielle Rundfunkfonds 2020).


2.7 Privatrundfunkfonds

Als das KommAustria-Gesetz (KOG) 2009 novelliert wurde, etablierte die RTR-GmbH ein Fonds zur Förderung des privaten Rundfunks. Die RTR-GmbH ist verantwortlich für die Verwaltung des Fonds, für welchen ab 2019 Fördergelder in der Höhe von 20 Mio. Euro zur Verfügung stehen. Private kommerzielle Rundfunkveranstalter haben Anspruch auf diese Förderung. Entscheidungen über die Verteilung dieser Förderung werden einerseits unter Rücksichtnahme des KommAustria-Gesetzes und der Richtlinien getroffen, andererseits nach Stellungnahme des Fachbeirats, welche durch den Geschäftsführer der Medienabteilung der RTR-GmbH verkündet wird. Die Kriterien für den Erhalt dieser Förderung sind, dass es sich um ein österreichisches duales Rundfunksystem handelt, und die Mittel in die Bereitstellung eines hochwertigen und diversen Programms einfließen. Die Gelder sind vorgesehen für Inhalte, in diesem Fall den Sendungen, und dienen ebenso Ausbildungs- und Studienzwecken. Außerdem kann die Förderung des privaten Rundfunks lediglich von Rundfunkveranstaltern angesucht werden, deren Programme im Sinne des Audiovisuellen Mediendienste-Gesetzes (AMD-G) oder des Privatradiogesetzes (PrR-G) zugelassen oder gemeldet sind (vgl. RTR Privatrundfunkfonds 2020).

2.8 Vergleich der Budgethöhe und der RTR-Fonds

In folgender Tabelle sind die Förderungen der RTR noch einmal zur Übersicht zusammengefasst:

RTR – Förderungen

BeschreibungVorhandene  Informationen und DatenFinanzierung
Digitalisierungsfonds  Förderung digitaler -Übertragungstechniken und Anwendungen → Übergang zum Digitalfernsehen – Erneuerung und Stärkung Plattformen zur Übertragung von Rundfunk Seit 2009 jährlich mit 500.000 Euro dotiert: Teils aus Rundfunkgebühren,, die gemeinsam mit dem ORF-Programmentgelt eingehoben werden; die aber grundsätzlich dem Bundesbudget zukommen
Fernsehfonds  Herstellung von Fernsehproduktionen   Qualitätssteigerung der FP & Leistungsfähigkeit der Österr. Filmwirtschaft, Medienstandort: Österreich stärken, vielfältige Kulturlandschaft, Stärkung des audiovisuellen Sektors Europa   Herstellung geförderter Projekte steigernTätigkeitsberichte 2004-2018 (seit 2010 Teil des RTR Kommunikationsberichts) Publikationen: – Schriftenreihe: Fernsehförderung in AT – Katalog: Geförderte Projekte 2009-2013 – K: Geförderte Projekte 2004- 2008 – Studie: „Wirkungen des FERNSEHFONDS AUSTRIA – Ergebnisse einer Befragung der Fernsehproduzenten” – Schriftenreihe: „Angemessene Bedingungen zwischen Fernsehveranstaltern und -produzenten in Österreich”EUR 13,5 Mio. Fernsehförderungsfonds stehen zur Verfügung aus einem Teil Gebühren

20% Förderungshöhe (Ausnahmefälle bis zu 30%) der Gesamtherstellungskosten

Höchstförderungsgrenze: fiktionale Produktionen
EUR 1.000.000 pro Teil und für dokumentarische Produktionen
EUR 200.000
Presseförderung    Vertriebsförderung für Tages- und Wochenzeitungen Erhaltung regionaler Vielfalt der Tageszeitungen Qualitätsförderung und ZukunftssicherungPresseförderungsgesetz 2004Sockelbetrag von
500 000 €
für jede förderungswürdige Zeitung

Förderung der Ausbildung von Nachwuchsjournalisten: Erstattung von höchstens einem Drittel der nachgewiesenen Ausbildungskosten
(max. 20 000 € pro Tages- oder Wochenzeitung)

Zuschuss von höchstens
40 000 €/Jahr für Verleger der Tages- und Wochenzeitungen
zur Förderung Einsatzes angestellter Auslandskorrespondenten
Selbstkontrolleinrichtungen


 
Förderung von Selbstkontrolleinrichtungen Umfasst die Förderung von Selbstkontrolleinrichtungen für die kommerzielle Kommunikation und die nichtkommerzielle PressePresseförderungsge- setz 2004 Richtlinien zur Förderung von Selbstkontrolleinrich- tungen für die Kommerzielle Kommunikation Vorläufiges Ergebnis der Presseförderung im jahr 2020Gesetzliche Grundlage seit 2009 Sebstkontrolleinrich-
tungen für Kommerzielle Kommunikation:
€50.000,- jährlich Selbstkontrolleinrich-
tungen Presse:
€ 150.000,- jährlich
Publizistikförderung    Medieninhaber von Wochen- und Regionalzeitungen, Zeitschriften sowie Online Zeitungen und Zeitschriften beitragend → Politik, Kultur, Weltanschauung (religiös)Publizistikförderungsgesetz340.000,Euro im Jahr 2019, Förderungsbeträge lagen zwischen 1.360,- und 12.684,-
Nichtkommerzieller Rundfunkfonds    (nichtkommerziell privater RF) innerhalb Österreich zur Förderung eines hochwertigen und vielfältigen Programmangebots Mittel für Inhalte, Ausbildungen und StudienKommAustria Gesetzab 2013 3 Mio. Euro

2020 einmalige Erhöhung um
EUR 2 Mio (Unterstützung der Rundfunkverantstalter in der Coronakrise durch Vergabe sämtl. Fordermittel im 2.Termin).
Privatrundfunkfonds  Privater kommerzieller Rundfunkveranstalter,

österr. Dualem Rundfunksystem, Erbringung hochwertiger & vielfältiger Programmangebots für Inhalte, Ausbildungen und Studien  
 ab 2019 20 Mio. Euro

2020 einmalige Erhöhung um
EUR 15 Mio.
(Unterstützung der Rundfunkverantstalter in der Coronakrise durch Vergabe sämtl. Fordermittel im 2.Termin).  
Tabelle 1

Anzumerken ist, dass der Fond zur Förderung der Selbstregulierung mit insgesamt €200.000,- jener ist, der über die geringsten finanziellen Mittel verfügt, noch hinter dem Fond für Publizistikförderung (€340.000,-). Infolgedessen erscheint die Wichtigkeit dieses Fonds (sowie der Selbstkontrolle bzw. der Selbstregulierung an sich) im Vergleich zu den anderen Fonds als relativ gering. Verglichen mit Digitalisierungsfonds, Privatrundfunk- und Nichtkommerziellen Rundfunkfonds, sind für die Publizistikförderung und die Förderung der Selbstkontrolleinrichtungen weitaus weniger finanzielle Mittel vorgesehen. Dies mag daran liegen, dass aufgrund der geringen finanziellen Mittel und der Tatsache, dass etwa einige Tageszeitungen zum Beispiel nicht Mitglied einer Einrichtung wie dem Presserat sind, der Einfluss auf Diversitäts- und Genderaspekte relativ gering ist. Schließlich bleibt das gängigste Mittel, um auf ethische Missstände hinzuweisen die öffentliche Rüge.

3.   Empfänger der RTR-Förderungen am Beispiel der Printzeitungen

Wie im vorangehenden Abschnitt angeführt, lässt sich erkennen, dass die RTR genaue Informationen zur Höhe und den Empfängern der jeweiligen Förderungen angibt. Im Folgenden wird auf die Verteilung der Förderungen im Bereich Print eingegangen. Grundlage für die RTR-Förderungen bildet das Presseförderungsgesetz 2004 (PresseFG 2004). Diesem zufolge erhalten folgende Zielgruppen Förderungen, nämlich (vgl. Kommunikationsbericht 2019):

  • Verleger von Tages- und Wochenzeitungen
  • Institutionen der Journalistenausbildung
  • Forschungsprojekte auf dem Gebiet des Pressewesens
  • Presseclubs
  • eine Selbstkontrolleinrichtung im Bereich der Presse

Die RTR bietet Informationen dazu, welche Medien gefördert werden, und wie viel Geld diese bekommen. Im Printbereich gibt es diese Informationen jedoch nur zu Tages- und Wochenzeitungen. Daten zu Monatsmagazinen werden nicht angegeben. Im Bereich der Tageszeitungen werden zwei unterschiedliche Summen an Fördergeldern vergeben (vgl. RTR Vertriebsförderung für Tageszeitungen 2019):

  • 201.721,20 Euro gehen an: Kleine Zeitung Steiermark und Kärnten, Kronenzeitung, Oberösterreichisches Volksblatt, OÖ Nachrichten, Salzburger Nachrichten, Der Standard, Tiroler Tageszeitung, Vorarlberger Nachrichten
  • 161.376,80 Euro gehen an: Kurier, Neue Vorarlberger Tageszeitung, Die Presse
  • Im Jahr 2018 wurden zwölf Ansuchen seitens der Tageszeitungen für Presseförderungen eingereicht, wovon elf ausgezahlt wurden (ÖSTERREICH wurde abgelehnt[2]).

Im Bereich der Wochenzeitungen werden mehrere Summen vergeben, die von 7.292,50 Euro (GLASNIK – kroatisches Kirchenblatt) bis 86.492,00 Euro (u.a. Die ganze Woche, tv media) reichen. Im Jahr 2019 wurden 37 Ansuchen seitens der Wochenzeitungen für Förderungen eingereicht, und alle konnten erfüllt werden. Auffällig ist, dass die Neue Freie Zeitung, eine Parteizeitung der Freiheitlichen Partei Österreichs (FPÖ) mit 48.757,80 Euro gefördert wird; sonst aber keine andere Parteizeitung aufgelistet wird (vgl. RTR Vertriebsförderungen für Wochenzeitungen 2019).

4.   Die Bedeutung und Gewichtung von Gender in der Verteilung von Förderungen

Durch die Unterstützung der Förderungen soll Diversität der Medienlandschaft gewährleistet und erhalten werden (vgl. RTR Förderungen 2020). Zur gerechten Gestaltung dieser bleibt die Thematisierung von Gleichstellung nicht aus. So ist es im Mediengesetz in den inhaltlichen Grundsätzen festgehalten, dass das Gesamtangebot sich um Qualität, Innovation, Integration, Gleichberechtigung und Verständigung zu bemühen hat (vgl. Mediengesetz 2004 2020). Und auch eine ausgewogene Zusammensetzung in Organen und Gremien haben eine Vertretung durch beide Geschlechter vorzusehen (vgl. Mediengesetz 2004 2020). Eine schriftliche Festlegung bedeutet aber nicht fortgehend eine erfolgreiche Umsetzung noch dazu bei einem so bescheidenen Eingang zur Geschlechtergleichstellung. Unsere Recherchen zeigen nämlich Mängel, sodass aktuell zum Beispiel noch auf folgende Forderungen bestanden werden muss:

Das Frauennetzwerk fordert Gleichstellung in Medienhäusern und Redaktionen (Forderungskatalog 2020):

  • 50 Prozent Frauen auf allen Führungsebenen in den Redaktionen und Medienhäusern
  • mehr Frauen als Protagonistinnen und Expertinnen in der Berichterstattung
  • 50 Prozent Kolumnistinnen, Leitartiklerinnen und Kommentatorinnen in den meinungsbildenden journalistischen Formaten
  • Möglichkeiten auf Führungspositionen in Teilzeit, Jobsharing und für familienfreundliche Arbeitsbedingungen.
  • Unterstützung, Solidarität und Hilfsfonds für Freie MitarbeiterInnen.
  • Gleiches Gehalt für gleiche Arbeit. Für eine gerechte Bezahlung unserer Leistung unabhängig vom Geschlecht.
  • Mehr Diversität in Redaktionen
  • Berücksichtigung der fairen Repräsentanz und Frauenförderung als Kriterium bei der Vergabe öffentlicher Fördermittel wie zum Beispiel Presse- und Medienförderung oder Projektförderungen für Medien

Die Entscheidung über die notwendige Unterstützung von jeweiligen Medien, die dem Prozess beifügen könnten, verfügt die Rundfunk und Telekom Regulierungs-GmbH. Entscheidend ist dabei auch ihr Handeln innerhalb des eigenen Konstrukts und weiterführende Urteile.


4.1 Die aktuelle Bedeutung bei der Vergabe der Förderungen

Innerhalb der RTR gibt es einen Gleichstellungsplan, welcher zum Ziel hat  Gleichberechtigung zwischen Frauen und Männern zu schaffen und Gleichstellung zu fördern. Das erkennt man auch an der genderneutralen Sprache  des RTR, welche für die Regulierungs GmbH selbstverständlich ist. Ihnen ist es dabei wichtig, dass sich in den Formulierungen der Texte Frauen und Männer gleichermaßen wiederfinden und angesprochen fühlen (vgl. Gleichstellungsplan der RTR 2020).

Während innerhalb der RTR die Gleichstellung der Geschlechter mit dem Gleichstellungsplan als ein Ziel festgelegt ist, setzen sie dies, außerhalb, in den regulatorischen Aktivitäten nicht systematisch durch. Die im folgenden angeführten Beispiele zeigen dies.

Eine wichtige Förderungsvoraussetzung für die Publizistikförderung, die in dem PubFG enthalten ist, ist, dass diese Druckschriften in Österreich verlegt und hergestellt werden. Außerdem sollte wenigstens ein österreichischer Herausgeber beteiligt sein. Dabei stellt sich die Frage, warum hier beim Wort Herausgeber nicht gegändert wurde, da feministische Zeitungen, die ebenfalls gefördert werden können, durch die Publizistikförderung möglicherweise eher weibliche Herausgeberinnen hat. Würde diese Voraussetzung demzufolge nicht weibliche österreichische Herausgeberinnen ausschließen, da nur das männliche Substantiv “Herausgeber” verwendet wurde (vgl. Publizistikförderungsgesetz 1984)? Wenn man sich jedoch die Richtlinien des Beirats ebenfalls zur Publizistikförderung genauer anschaut, so wird bei Punkt 4. das Wort “Förderungswerber” sowie “Förderungswerberin” genannt (vgl. Richtlinien des Publizistikförderungsbeirats). Hier wird im Gegensatz zur oben genannt Förderungsvoraussetzung auf eine gendergerechte Sprache geachtet und somit betont, dass ein Förderungswerber männlich oder weiblich sein kann, was zur Gender Equality beiträgt.

Außerdem teilten die Fernsehfonds Austria in einer Pressemitteilung im Jahr 2017 geplante Neuerungen mit. Unter anderem stehe auch ein Ausbau der Frauenförderung auf dem Programm. Laut deren Angaben werden mittlerweile schon Produktionen, bei denen weibliche Filmschaffende in wesentlichen Stabsfunktionen tätig sind, verstärkt berücksichtigt. Jedoch seien weitere Schritte notwendig, um sich der Gleichstellung von Frauen in der Filmbranche anzunähern. Als nächsten Schritt arbeite Fernsehfonds Austria an der Umsetzung eines Gender Budgetings (vgl. Fernsehfonds Austria 2017). Seit der Pressemitteilung im Jahr 2017 wurde über das Gender Budgeting bezüglich der Fernsehfonds Austria nicht weiter berichtet bzw. irgendwelche Maßnahmen dazu gesetzt.

Man kann demzufolge sagen, dass bezüglich einer Gleichstellung der Geschlechter in den Förderungsvoraussetzungen noch Aufholbedarf besteht. Obwohl die Fernsehfonds Austria zu einem gewissen Teil weibliche Filmschaffende bereits berücksichtigen, so wäre die Gleichstellung der Geschlechter auch mit der Umsetzung des Gender Budgetings noch ausbaufähig, wozu leider keine weiteren offen gelegten Umsetzungspläne diesbezüglich gefunden worden sind.


4.2 Vergleich: Höhe der Presseförderung vs. Frauenanteil in den Redaktionen

Das medienpolitische Ziel von gender equality bei der Vergabe von Medienförderung wird in folgender Analyse untersucht. Diese soll aufzeigen ob ein Zusammenhang bezüglich Höhe der von der RTR vergebenen Presseförderungen und dem Frauenanteil in den Redaktionen von Tageszeitungen besteht.

Für Frauen ist es schwerer als für Männer in Führungspositionen zu kommen. Österreichische Tageszeitungen bilden da keine Ausnahme. Obwohl Frauen mit 47% in den Redaktionen vertreten sind (vgl. Pramer 2020), so sind nur 29% der Chefredaktionen mit Frauen besetzt. In Leitungspositionen sind es sogar nur 10% (vgl. Leitner, Dibiasi & Schönpflug 2017). Da die von der RTR vergebene Presseförderung für Tageszeitungen unterschiedlich hoch ausfällt, stellt sich hier die Frage, ob bei der Vergabe der Förderungsmittel auf Gleichberechtigung in den Redaktionen geachtet wird und jene Redaktionen, mit einem höheren Frauenanteil, auch eine höhere Summe ausgezahlt bekommen (vgl. RTR 2020).

Um diese Hypothese zu untersuchen, wird der Frauenanteil der Kleinen Zeitung, der Presse, des Standards, des Kuriers, der Salzburger Nachrichten, der Tiroler Tageszeitung und der OÖ Nachrichten genauer beleuchtet, um einen eventuellen Zusammenhang zwischen der Höhe der Förderung und des Frauenanteils herstellen zu können.

                                                                                                                      Tabelle 2

TageszeitungFörderungswerberFörderungsbetrag 2019 in EuroFrauenanteil in den Redaktionen inkl. Chefredaktionen und freie Mitarbeiter_innen in %*Frauenanteil in den Chefredaktionenin %*
Kleine Zeitung Steiermark und Kärnten/OsttirolKleine Zeitung GmbH & Co KG, Gadollaplatz 1, 8010 Graz201.721,2016,13%0%
Kronen ZeitungMediaprint Zeitungs- und Zeitschriftenverlag Ges.m.b.H & Co KG, Muthgasse 2, 1190 Wien201.721,20keine Angaben0%**
KurierMediaprint Zeitungs- und Zeitschriftenverlag Ges.m.b.H & Co KG, Muthgasse 2, 1190 Wien161.376,8047,37%28,57%
Neue Vorarlberger TageszeitungNEUE Zeitungs GmbH, Gutenbergstraße 1, 6858 Schwarzach161.376,80keine Angaben0%**
Oberösterreichisches VolksblattOÖ Media Data Vertriebs- und Verlagsges.m.b.H., Hafenstraße 1-3, 4010 Linz201.721,20keine Angaben0%
OÖ NachrichtenOÖN Redaktion GmbH & CO KG, Promenade 23, 4020 Linz201.721,2044,09%0%
ÖSTERREICHMediengruppe ÖSTERREICH GmbH, Friedrichstraße 10, 1010 Wienabgelehnt wegen Nichterfüllung der Förderungsvoraussetzungen des § 2 Abs. 1 Z 2 PresseFG 2004 //
Die PresseDie Presse Verlags-Gesellschaft m.b.H.& Co KG, Hainburger Straße 33, 1030 Wien161.376,8043,8%0%
Salzburger NachrichtenSalzburger Nachrichten Verlagsges.m.b.H.& Co KG, Karolingerstraße 40, 5020 Salzburg201.721,2033,91%0%
Der StandardStandard Verlagsgesellschaft m.b.H., Vordere Zollamtsstraße 13, 1030 Wien201.721,2043,48%33,3%
Tiroler TageszeitungSchlüsselverlag J.S. Moser GmbH, Brunecker Straße 3, 6020 Innsbruck201.721,2043,99%0%**
Vorarlberger NachrichtenRussmedia Verlag GmbH, Gutenbergstraße 1, 6858 Schwarzach201.721,20keine Angaben0%**

(Vertriebsförderungen Tageszeitungen RTR, 2019)

*Auswertung aus den Rohdaten aus den Erhebungen von ehemaligen Seminarteilnehmern aus dem Jahr 2020 **siehe Impressum auf der Webseite der Tageszeitung

Analyse

Nach Auswertung der vorliegenden Daten lässt sich eine Tendenz erkennen. Die Redaktionen in Österreich haben zum großteil einen Frauenanteil zwischen 40% und 50%. Einzig die Kleine Zeitung bildet mit 16,13% Frauenanteil in ihren Redaktionen eine Ausnahme. Trotzdem gehört die Kleine Zeitung zu den Tageszeitungen, welche die höchste Förderungssumme von 201.721,20 Euro erhalten. Im Vergleich dazu erhält der Kurier, der mit einem Frauenanteil von 47,37% Platz 1 belegt, nur eine Förderungssumme von 161.376,80 Euro. Ebenso wie die Presse, die sich mit einer Frauenquote von 43,8% noch vor dem Standard oder den Salzburger Nachrichten einreiht, jedoch fast 50.000 Euro weniger an Förderungssumme als diese zwei Zeitungen zugesprochen bekommt.

Der Kurier und der Standard sind die einzigen Redaktionen, die Frauen in Chefpositionen beschäftigt. Mit 28,57% hat der Kurier nur einen knapp 5% weniger hohen Frauenanteil in der Chefredaktion als der Standard mit 33,3%. Wenn man diese zwei Zeitungen vergleicht und die Höhe von der RTR erhaltene Förderungssumme mit der Frauenquote in den Chefredaktionen in Relation setzen würde, wäre ein Zusammenhang zu entdecken.

Da aber andere Zeitungen, wie die Kleine Zeitung, die gleich hohe Summe wie der Standard erhält, obwohl dessen Frauenanteil in den Redaktionen nicht sonderlich hoch ist und in den Chefredaktionen keine einzige Frau beschäftigt ist, lässt sich die Hypothese eines Zusammenhangs zwischen Höhe der Förderungssumme und Frauenanteil nicht bestätigen. Dieses Ergebnis wird noch durch die Tatsache unterstützt, dass keine offiziellen Daten zu der Geschlechterverteilung in den Redaktionen der Kronen Zeitung zu finden sind, sie aber dieselbe Summe an Förderungsgeldern erhält wie z.B. der Standard.

Anzumerken ist außerdem, dass ein Zusammenhang von der Höhe der Fördergelder und Frauenquote in Redaktionen bzw. Chefredaktionen mit ziemlicher Sicherheit ausgeschlossen werden kann, auch wenn offizielle Daten nur von wenige Tageszeitungen für diese Analyse zur Verfügung standen.

Gender equality stellt also bei der Vergabe von Förderungen der RTR kein wichtiges Kriterium dar. Welches Vergabesystem von Fördergeldern kann also als Vorbild dienen um innerhalb der RTR zu einem Umdenken zu bewegen und um gender equality zu einem fixen Kriterienpunkt bei der Vergabe von Fördergeldern zu machen? Im folgenden wird das Vergabesystem der Filmförderungen vorgestellt, die es sich zur Aufgabe gemacht haben gender equality zu fördern.

5.   Österreichische Filmförderungen: Ein Best-Practice-Beispiel für die Miteinbeziehung des Geschlechts

Während im Bereich der Filmförderungen ein starker Fokus auf Geschlecht gelegt wird, und zwar sowohl zur Geschlechterverteilung im Österreichischen Filminstitut selbst, als auch in den Produktionen bzw. Projekten die gefördert werden, bietet die RTR keine weiteren Daten zu Gender der Medien, die von ihnen gefördert werden (vgl. Gender Report 2018, RTR Gleichstellungsplan 2020).

Im Vergleich zu anderen Medienförderungen werden die Filmförderungen in Österreich im österreichischen Film Gender Report festgehalten, welcher die Geschlechterverhältnisse im österreichischen Filmbereich analysiert. Der zuletzt veröffentlichte Report erschien 2018 und untersucht die vierjährige Zeitspanne von 1. Jänner 2012 bis 31. Dezember 2016 (vgl. Gender Report 2018: 4).

5.1 Gender Budgeting

Im Film Gender Report wird der Aspekt des Geschlechts in den Filmförderungen nach zwei Modellen analysiert: dem Schwedischen Modell und dem Inklusionsmodell. Das Schwedische Modell berechnet die Geschlechter Besetzung anhand der drei Stabstellen Regie, Drehbuch und Produktion, wobei jedem dieser Bereiche ein Drittel der Fördergelder zugeteilt wird. Wenn also eine Frau oder ein Mann eine dieser Positionen innehat, wird das Drittel der Fördergelder dem jeweiligen Geschlecht zugeschrieben. Wenn eine Position gemischt besetzt ist, wird dies berücksichtigt, indem das Drittel nach dem Geschlechterverhältnis aufgeteilt wird. Zum Schluss werden alle Fördergelder nach Geschlecht summiert und einander gegenübergestellt. Das Inklusionsmodell wurde für den Film Gender Report als eigenes Berechnungsmodell kreiert, um eine differenzierte und genaue Analyse im Vergleich zum Schwedischen Modell zu ermöglichen. Das Inklusionsmodell berechnet den Geschlechteranteil in allen Stabstellen, wobei auf die prozentuale Besetzung eines Geschlechts Rücksicht genommen wird. Das bedeutet, dass das Modell zur Berechnung vier Gruppen unterscheidet: Nämlich, ob der Frauenanteil in Stabstellen bis zu einem Viertel erreicht ist, bis zur Hälfte, bis zu Dreiviertel oder bis zu 100% (vgl. Gender Report 2018: 37).   

Dem Schwedischen Modell zufolge, welches sich auf die Stabstellen Stoffentwicklung, Projektentwicklung und Herstellung bezieht, bekommen Männer einen Anteil zwischen 72% und 92% an Fördergeldern. Dabei ist festzuhalten, dass Frauen ihren höchsten Förderbeitrag von 28% im Bereich der Stoffentwicklung bekommen, und den niedrigsten Beitrag von 8% in der Herstellung von Fernsehserien. Das bedeutet, je höher das Budget an Fördergeldern ist, desto niedriger ist der Anteil, der tatsächlich an Frauen geht (vgl. Gender Report 2018: 6).

Anhand des Inklusionsmodells lässt sich erkennen, dass der Frauenanteil in den Stabsstellen der Stoff- und Projektentwicklung überwiegend unter 25%  liegt, während Frauen als Entscheidungsträgerinnen in der Herstellungsförderung zu mehr als einem Drittel 50% ausmachen. Im Falle der Herstellung von Kinofilmprojekten zeigt sich, dass nur Projekte bis maximal 50% Frauenanteil das höchste Budget an Fördergeldern bekommen. Vergleichsweise ist die Auszahlung der kleinsten Fördersumme überproportional groß, wenn der Frauenanteil zwischen 75-100% liegt (vgl. Gender Report 2018: 9f).

Für die Verbreitung von Kinofilmen wurden nur 8% der Fördergelder an Verleiherinnen ausgezahlt. Nur in der Förderung zur Weiterbildung sehen die Zahlen ganz anders aus: Hier gingen 61% der Weiterbildungsmaßnahmen an Frauen. Die Entscheidungsgremien im Österreichischen Filminstitut sind mehrheitlich von Männern dominiert: Im Aufsichtsrat waren Frauen nur zu 22% vertreten und die Projektkommission bestand zu 43% aus Frauen. Bei den Projektkommissionssitzungen (inkludiert auch die Vorsitzenden) sank der Frauenanteil auf 37% (vgl. Gender Report 2018: 12f).

5.2 Honorare im Filmstab

Bei der Förderung von Kinofilmen machen Frauen einen Anteil von 34% in den Stabsstellen aus, bekamen aber nur 27% des Gesamthonorars. Im Bereich Fernsehen sehen die Zahlen ähnlich aus: Hier beträgt die Beteiligung von Frauen 31%, wobei die Honorare zu 21% an Frauen gingen. Das größte Ungleichgewicht findet im Bereich der Regie von Fernsehserien statt: Obwohl 31% Frauen Regie führten, bekamen sie nur 8% des Honorars für Regie (vgl. Gender Report 2018: 14ff).

5.3 Stabstellen und Hauptdarsteller*innen

„Je geringer der Frauenanteil in den Stabstellen war, desto geringer war der Frauenanteil auch bei den Hauptdarsteller*innen – und umgekehrt“ (Gender Report 2018: 18).

Es gibt also einen klaren Zusammenhang zwischen der Besetzung der Stabstellen und der Hauptdarsteller*Innen, der besonders klar ist, wenn die Filme betrachtet werden, bei denen keine der drei Hauptdarsteller*Innen Frauen waren. Filme mit maximal 25% Frauenanteil in den Stabstellen haben zu 26% keine weiblichen Hauptfiguren, nur 2% der Filme sind davon betroffen. Ein hoher Frauenanteil in den Stabstellen (mehr als 75%) hat gezeigt, dass zu 29% weibliche Hauptfiguren in Filmen besetzt werden. Filme ohne weibliche Hauptfiguren gibt es nicht, jedoch gibt es nur 7 Filme, in dem Analysezeitraum, die einen hohen Frauenanteil von über 75% in den Stabstellen zu den Hauptdarsteller*innen aufweisen (vgl. Gender Report 2018: 18).

5.4 Kinofilme Off Screen

Die Filmstabstellen waren zu einem Drittel weiblich besetzt. In den Teams der österreichischen Kinospielfilme 2012-2016 zu 2/3 mit Männern und zu 1/3 mit Frauen besetzt (36% Frauen, 64% Männer). Nur 14% der Filme wurden von weiblichen Filmteams umgesetzt. Der Film „Maikäfer flieg“ wurde als einziger Film mit über 75% Frauen in den Filmstabstellen realisiert. 22% aller Filme Teams bestehen jedoch vorwiegend aus Männern (vgl. Gender Report 2018: 20). Die Regie führte bei jedem fünften Kinofilm eine Frau und bei 75% der Spielfilme im Zeitraum von 2012-2016 ein Mann, 21% unter weiblicher Regie. Die restlichen 4% stellen Regie-Teams dar, die aus Frauen und Männern bestanden. Mit einer Regisseurin stieg der Anteil der Frauen in den anderen Stabstellen (vgl. Gender Report 2018: 21).

5.5 Kinospielfilme On Screen

Bezüglich des Bechdel-Wallace-Tests bestehen bei den österreichischen Kinospielfilmen, im Zeitraum 2012-2016, 53%  weibliche Figuren und 85% männliche Figuren. Daraus folgt, dass Filme, die Teams mit einem hohen Anteil von Frauen, die sowohl weibliche als auch männliche Figuren haben, differenzierter dargestellt werden. Teams mit einem hohen Männeranteil eher nicht. Im Jahr 2012 bis 2016 waren in den österreichischen Kinospielfilmen 55% der Hauptfiguren männlich und 45% weiblich. Dabei war außerdem die Attraktivität weiblicher Figuren in den Filmen dreimal häufiger Gesprächsthema als die Attraktivität männlicher Figuren (vgl. Gender Report 2018: 22-25).

Bezüglich Aktionen sexualisierter Gewalt in Filmen, konnte beobachtet werden, dass sexuelle Gewalt zu 70% von männlichen und nur 30% von weiblichen Filmfiguren verübt wurde. Auf der anderen Seite waren Opfer sexueller Gewalt in Filmen zu 65% weibliche Figuren und nur zu 35% männliche Figuren (vgl. Gender Report 2018: 26).

5.6 Filmakademie Wien

Rund jede dritte Filmakademie-Bewerbung stammte  und fast jede zweite Zulassung ging an eine Frau. Insgesamt bewarben sich mehr Männer als Frauen für das BA-Studium und es wurden demnach auch mehr Männer als Frauen in das BA-Studium aufgenommen. Nur im Jahr 2016 wurden erstmals mehr Frauen als Männer zum Studium zugelassen, obwohl der Frauenanteil bei den Bewerbungen von 2012 bis 2016 um 7% fiel (vgl. Gender Report 2018: 33). Die Zulassungskommissionen an der Filmakademie, welche die Letztentscheidungen über die Zulassungen traf, hatten 2016 im vierten Prüfungsteil nur einen Frauenanteil von 21%. Bei der Zulassungskommission für den Fachbereich Regie lag der Frauenanteil sogar nur bei einem Zehntel (vgl. Gender Report 2018: 34).

6.   Fazit

Die Thematisierung von Geschlechtergleichheit ist wichtig und essentiell für eine Veränderung in der Gesellschaft, dessen Verständnis sich dafür immer weiter manifestiert. Demnach galt es, zu untersuchen ob Verantwortliche in der Verteilung von Förderungen und somit Entscheidung der Bühnenpräsenz für einflussreiche Themen ‘das Geschlecht’ berücksichtigen und diesem gleichteilig Stimme geben. Es muss realisiert werden, dass zum Weg-Einschlag für eine ernsthafte Verbesserung, auch das Grundgerüst dazu richtig angepasst werden muss.

Nach genaueren Analysen und Betrachtungen der Daten, welche wir in diesem Forschungsbericht ausgearbeitet und festgehalten haben, zeigt sich deutlich, dass es ein Fehlen von geschlechtsspezifischen Daten zu Förderungen gibt. Anzumerken ist, dass bei all den Förderungsfonds, bis auf zwei Fonds, das Thema Gender und Gleichstellung der Geschlechter keine Rolle spielt. Einzige Ausnahme hierbei sind zum einen die Publizistikförderungen und die Fernsehfonds Austria: Bei den Publizistikförderungen werden laut RTR feministische Zeitungen besonders gefördert. Allerdings sind die finanziellen Mittel diese Förderung mit einem Gesamtbudget von €340.000,- pro Jahr, nach dem Budget zur Förderung der Selbstkontrolleinrichtungen, die geringsten. Bei der zweiten Ausnahme, den Fernsehfonds Austria, machen sie im Kommunikationsbericht der RTR nur anhand einer Erhebung auf den Frauenanteil in den geförderten Projekte aufmerksam. Diese Erhebung ist jedoch nicht sehr aussagekräftig, da die Daten nicht in einem Zusammenhang mit den Medienförderungen erklärt werden (vgl. RTR Kommunikationsbericht 2019).

Demzufolge ist es durchaus angebracht zu behaupten, dass die Thematik Geschlechtergleichstellung und Gender bei den einzelnen Förderungsfonds nur einen sehr niedrigen bis gar keinen Stellenwert hat. Auch wenn die Rubrik der „Feministischen Zeitungen“ kurz angesprochen ist, sagt das nichts über Frauenförderung aus, da theoretisch auch Männer in den Redaktionen sitzen können. Es ist jedoch zumindest kein nennenswerter Einfluss ersichtlich, der Geschlechtergleichstellung und –pluralität in irgendeiner Weise positiv beeinflussen würde.

Wenn man einen Blick auf die Förderungsvoraussetzungen wirft, so zeigt sich auch dort ein meist fehlender Gender-Aspekt. Es ließen sich bezüglich Gender und Förderungen wenige Daten und Zusammenhänge finden. Jedoch zeigte sich, dass die Fernsehfonds Austria, laut einer Pressemitteilung aus dem Jahr 2017, den Ausbau der Frauenförderung durchführen wollten. Nicht nur die Fernsehfonds Austria, sondern auch das Frauennetzwerk sprachen sich bezüglich einer Gleichstellung von Frauen aus. Dazu arbeitete der Fernsehfonds Austria an der Umsetzung des Gender Budgetings, zu welchem wir seit der Pressemitteilung von 2017 keine weiteren Informationen dieser Umsetzung herausgefunden haben. Das zeigt, dass es nicht nur ein Fehlen der geschlechtsspezifischen Daten in diesem Bereich gibt, sondern auch, dass ein Fehlen einer Gleichstellungspolitik bei der Vergabe von Förderungen existiert. In Bezug auf Filmförderungen wurde im österreichischen Film Gender Report, welcher ebenfalls in diesem Forschungsbericht ausgearbeitet wurde, Geschlechterverhältnisse im österreichischen Filmbereich analysiert. Aufgrund dessen, dass bei den Filmförderungen das Geschlecht beim Vergabesystem miteinbezogen wurde, bleibt die Frage ausstehend: Warum wurde der Gender-Aspekt bei den Förderungen der RTR und bei deren Vergabesystemen nicht näher beachtet und zu einem fixen Kriterienpunkt bei der Vergabe etabliert?

Neben der Einbeziehung des Geschlechts bei der Vergabe von Fördergeldern, sollte in Zukunft im Sinne einer diverseren Medienlandschaft Medien gefördert werden, die zB marginalisierte Gruppen repräsentieren, Medien, die die Jugend ansprechen bzw. deren Interesse wecken (etwa durch Multimediale Herangehensweise bzw. mehrere Kanäle), Newcomer-Medien, die für Diversität in der Branche stehen, sowie Medien, die investigativen Journalismus betreiben (Beispiel Addendum, das jedoch eingestellt wurde).

Außerdem könnte die Geschlechterverteilung in den österreichischen Medien gefördert werden, indem mehr Förderungen an Medienunternehmen mit Geschlechterquoten gehen, und Bewerbungen in Redaktionen ohne Namen, Foto, Herkunft, Alter passieren (anstelle der persönlichen Daten könnten die Bewerbungen anhand von Nummern unterschieden werden) – dabei würde dann auch ein verstärkter Fokus auf persönlichen Qualifikationen liegen. Denn die Förderung von Medien ganz allgemein bewirkt, dass kein Medienmonopol entsteht, aber dafür eine diverse Medienlandschaft durch zB die Förderung regionaler Medienunternehmen, und so Medienpluralität hergestellt wird, und die Diversität unserer Gesellschaft gerecht widergespiegelt wird.


Quellen

DerStandard “Förderung: 147 Millionen Euro für TV-Produktionen seit 2004” (2017) https://www.derstandard.at/story/2000057875692/foerderung-147-millionen-euro-fuer-tv-produktionen-seit-2004 [Zugriff: 05.12.2020]

Die Presse (2020): Offenlegung. https://www.diepresse.com/767364/offenlegung-fur-die-presse [Zugriff: 08.12.2020]

Entscheidungen zur Publizistikförderung (o.J.)

https://www.rtr.at/de/ppf/PubFErgebnisse [Zugriff: 29.11.2020]

Frauennetzwerk Forderungskatalog (2020)

http://www.frauennetzwerk.at/2020/06/26/wir-fordern-gleichberechtigung [Zugriff: 11.11.2020]

Gleichstellungs- und Familienförderplan der RTR (2020)
https://www.rtr.at/de/rtr/Gleichstellung/Gleichstellungsplan_RTR_2020.pdf [Zugriff: 02.11.2020]

Kirchhoff S. & Prandner D. (2017): Austria. Working Conditions, Representation and Measures Towards Gender Equality. In: Gender Equality and the Media: A challenge for Euope. S.47-S.59.

Leadersnet (2019) https://www.leadersnet.at/news/38045,so-wurden-die-pressefoerderungen-in-oesterreich-2019-verteilt. [Zugriff: 11.11.2020]

Leitner A., Dibiasi A. & Schönpflug Karin (2017): Führungspositionen in Wiener Printmedien. In: MA57 (Hrsg.) (2017): Gleichstellungsmonitor- Kunst und Medien. S.179-180. https://www.gleichstellungsmonitor.at/pdfs/2016/KapitelF2016.pdf [Zugriff: 08.12.2020]
Medienhaus Wien: Medienselbstkontrolle (o.J.) http://www.medienhaus-wien.at/cgi-bin/page.pl?id=93;lang=de [Zugriff: 13.12.2020]

Österreichischer Film Gender Report 2012-2016 (2018)                                          https://equality.filminstitut.at/de/zentrale-ergebnisse-des-reports/ [Zugriff: 14.12.2020]

Österreichisches Mediengesetz (2004)
https://moodle.univie.ac.at/pluginfile.php/5058210/mod_resource/content/1/GESETZESTEXTE%20KORRE.pdf [Zugriff: 27.01.2021]

Pramer Philip (2020): In Österreichs Redaktionen gibt es kaum Chefinnen. https://www.derstandard.at/story/2000115428122/in-oesterreichs-redaktionen-gibt-es-kaum-chefinnen [Zugriff: 08.12.2020]

Publistikförderungsgesetz 1984 (PubFG)

https://www.rtr.at/de/ppf/PublFG  [Zugriff: 29.11.2020]

Richtlinien des Publizistikförderungsbeirats (o.J.)

https://www.rtr.at/de/ppf/PubFBeirRL [Zugriff: 29.11.2020]

RTR Beschreibung Presseförderung (2020)

https://www.rtr.at/de/inf/odPresse/Beschreibung_Pressefoerderung.pdf [Zugriff: 15.11.2020]

RTR Die Förderungen (o.J.) https://www.rtr.at/medien/was_wir_tun/foerderungen/Startseite.de.html [Zugriff: 31.01.2021]

RTR Die KommAustria (o.J.) https://www.rtr.at/medien/wer_wir_sind/KommAustria/KommAustria.de.html [Zugriff: 17.1.2021]

RTR Die RTR Medien (o.J.) https://www.rtr.at/medien/wer_wir_sind/RTR_Medien/RTR_Medien.de.html [Zugriff: 17.1.2021]

RTR Digitalisierungsfonds (2020)

https://www.rtr.at/de/df/Digitalisierungsfonds [Zugriff: 17.11.2020]

RTR Fernsehfonds Austria (2017): 13,5 Jahre Fördertätigkeit – 599 Projekte. Pressemitteilung 18.05.2017.

https://www.rtr.at/de/pr/PI18052017FFAT [Zugriff: 27.11.2020]

RTR Förderung der Selbstkontrolle (2020)

https://www.rtr.at/de/foe/Selbstkontrolle [Zugriff: 24.11.2020]

RTR Förderungen (2020)
https://www.rtr.at/de/foe/Foerderungen [Zugriff: 29.11.2020]

RTR KommAustria-Gesetz (2009)

https://www.rtr.at/de/m/KOG#c29939 [Zugriff: 24.11.2020]

RTR Kommunikationsbericht (2019) https://www.rtr.at/de/inf/Kommunikationsbericht_2019/Kommunikationsbericht2019.pdf [Zugriff: 24.11.2020]

RTR nichtkommerzieller Rundfunkfonds (2020)

https://www.rtr.at/de/foe/NKRF_Fonds [Zugriff: 24.11.2020]

RTR Privatrundfunkfonds (2020) https://www.rtr.at/de/foe/PRRF_Fonds [Zugriff: 24.11.2020]

RTR Richtlinien Fernsehfonds Austria (2018)
https://www.rtr.at/de/ffat/Richtlinien/Richtlinien_FERNSEHFONDS_AUSTRIA_Stand_1_12_2018.pdf [Zugriff: 24.11.2020]

RTR Richtlinien –  Förderung der Selbstkontrolle – kommerzielle Kommunikation (2020)

https://www.rtr.at/de/foe/Selbstkontrolle_KK/Richtlinien_-_Foerderung_der_Selbstkontrolle_kommerzielle_Kommunikation_ab_1.2.2020.pdf [Zugriff: 24.11.2020]

RTR Richtlinien für Förderungen gem. PresseFG 2004 (Beobachtungszeitraum 2019)

https://www.rtr.at/de/ppf/RichtlinienfrFrderungengemPresseF#c34908 [Zugriff: 24.11.2020]

RTR Vertriebsförderung für Tageszeitungen (2019)

https://www.rtr.at/de/ppf/ErgebnisderVertriebsfrderungfrTageszeitungenimJahr2019/Ergebnis_der_Vertriebsfoerderung_für_Tageszeitungen_im_Jahr_2019.pdf [Zugriff: 02.11.2020]

RTR Vertriebsförderung für Wochenzeitungen (2019)

https://www.rtr.at/de/ppf/ErgebnisderVertriebsfrderungfrWochenzeitungenimJahr2019/Ergebnis_der_Vertriebsfoerderung_f%C3%BCr_Wochenzeitungen_im_Jahr_2019.pdf [Zugriff: 02.11.2020]

RTR Vorläufiges Ergebnis der Presseförderung im Jahr 2020 (2020)

https://www.rtr.at/de/foe/Selbstkontrolle_KK/Richtlinien_-_Foerderung_der_Selbstkontrolle_kommerzielle_Kommunikation_ab_1.2.2020.pdf [Zugriff: 24.11.2020]

VCFOE Verband Community Fernsehen Österreich (2019)

https://dorftv.at/sites/default/files/2019_11_15_position_vcfoe.pdf [Zugriff: 24.11.2020]


[1] Der Begriff Gender bezieht sich auch alle drei in Österreich anerkannten Geschlechter. Jedoch sind  keine Daten zum dritten Geschlecht zu diesem Thema vorhanden. Deshalb werden in dieser Arbeit nur der Anteil an Frauen und Männer im Zusammenhang mit Medienförderungen untersucht.

[2] Österreich habe eine der Grundbedingungen für Presseförderung nicht erfüllt: Tageszeitungen müssen mindestens 240-mal pro Jahr erscheinen – was Österreich schafft – und der Großteil der Auflage in Österreich muss „vorwiegend im freien Verkauf oder im Abonnement Bezug erhältlich sein“. Das bedeutet, dass der überwiegende Teil der Auflage verkauft und nicht verschenkt werden muss – wie es bei der Österreich allerdings sehr wohl der Fall ist. Weil die Gratisausgabe erst zur Jahresmitte 2018 abgespalten wurde, geht sich für das Pay-Format 2018 kein ganzes Jahr mit 240 Ausgaben aus (Leadersnet 2019).


Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s