Gender Inequality – was tun?

Von Ajla Selimovic 

Soziale Ungleichheit ist eine von Menschen gemachte und somit auch von Menschen veränderbare Grundtatsache heutigen gesellschaftlichen Lebens. Von den Beteiligten und Betroffenen wird sie allerdings häufig als unabänderliches Schicksal hingenommen. Dennoch besteht die Hoffnung, daß mit der genaueren Einsicht in die Entstehung und Wirkungsweise sozialer Ungleichheitsverhältnisse auch deren vermeintliche Selbstverständlichkeit ins Wanken gebracht werden kann.“  

Kreckel 1992: 13

Und wie bewirkt man diese „genauere Einsicht“? Durch Forschung. 1890-1920 fand eine “golden era of women in sociology research” statt. Zwar war es damals vielmehr der Druck der ökonomischen Krise, der die Frauen dazu trieb, in die Forschung zu gehen (Deegan, zitiert nach Roos & Jones 1995: 300), jedoch realisierten in der 70ern viele Frauen die Wichtigkeit relevanter und sie persönlich betreffender Themen, darunter selbstverständlich auch ungerechte Behandlung, und wollten diese untersuchen (Roos & Jones 1995: 309). Diese Motivation der Frauen, sich selber gegen die Ungerechtigkeit zu einzusetzen, indem sie sich für die Erforschung dieses Problems entscheiden, vermag eine optimale und realistische Lösung gegen die heute noch präsente soziale Ungleichheit sein, die umsetzbar und plausibel klingt. Mehr Unterstützung seitens der politischen Seite für Lehrveranstaltungen an (Hoch-)Schulen, die beispielweise verdeckte Ungerechtigkeit ans Licht bringen, wären ein Schritt in Richtung Gleichberechtigung. Nicht nur Unterstützung, sondern auch Anerkennung der Betonung der Relevanz von Lehrveranstaltungen ist für einen Fortschritt essentiell. Diese golden era of women in sociology research sollte nicht länger eine era mit absehbarem Ende oder Resultat einer ökonomischen Krise sein, sondern eine andauernde Selbstverständlichkeit, die von den Frauen selbst kommt, bis das gewünschte Ziel erreicht wurde.  

Führungspersonal in Medienberufen: not found! 

Auch die gläserne Decke stellt ein enormes Problem in unserer Gesellschaft dar. Reskin & Ross (1995: 127ff.) argumentierten, dass die fehlende Expertise sowie die fehlende Bildung der Frauen ein Grund gegen die Möglichkeit auf einen Karriereaufstieg war. Heutzutage sieht man sehr wohl, dass Frauen in manchen Universitäten überrepräsentiert sind jedoch immer noch ein Mangel an weiblichem Führungspersonal in den Medienberufen herrscht (Gleichstellungsmonitor). Dies scheint zu zeigen, dass die früher argumentierte fehlende Expertise der Frauen eventuell nicht der Grund, sondern viel mehr eine Ausrede war und das Problem wohl woanders liegen muss. Hier sollte man wieder die oben genannte Lust der Frauen auf Forschung wecken, um gemeinsam gegen dieses Phänomen vorzugehen 

Das Projekt mit dem 24-Stunden Frauennotruf Wien 

Im Rahmen unseres Forschungsprojekts über Sicherheit in den öffentlichen Verkehrsmitteln führten wir ein Interview mit Frau Martina Steiner durch und durften dadurch viel wissenswertes über ihre Tätigkeit beim Frauennotruf lernen. Persönlich blieb mir ihre Hilfe für Frauen nach einer Belästigung am besten in Erinnerung. Heutzutage werden die post-psychischen Konsequenzen von Opfern viel zu oft vernachlässigt (persönliche Kommunikation). Dies gilt auch für Frauen, die in der Berufswelt aufgrund von ungleichberechtigter Behandlung betroffen sind, da sie der Kampf um eine gleiche Position mit selben Kompetenzen satthaben. Hierbei geht es schlichtweg um die Unterstützung von Frauen in jeglicher Notlage, um Betroffenen das Gefühl zu geben, mit ihren Problemen nie allein zu sein und ihnen Mut zuzusprechen, nicht aufzugeben und sich runterziehen zu lassen. 

Die Bereitschaft, sich für Frauen einzusetzen, indem man ihnen ein Gefühl von Sicherheit vermittelt, ist ein wichtiger Fortschritt, um gegen ungleichberechtigte Behandlung anzukämpfen.  

Zur Erreichung unseres Forschungsziels entschieden wir uns für qualitative und persönliche Interviews, da wir es als wichtig empfanden, Expertinnen zum Thema Sicherheit zu interviewen, um einen Einblick in ihre umgesetzten Erfolge zu bekommen. Grundsätzlich ist eine qualitative und induktive Herangehensweise empfehlenswert, wenn eine Einzelstudie als hochwertiges und aktuelles Beispiel für Themen wie Gleichstellung dienen soll, da sie tiefe Einblicke in die Arbeit der ExpertInnen dieses Bereichs liefert und somit als Anregung für ähnliche Projekte dienen kann. Zusätzlich entwarfen wir einen Fragebogen und befragten 20 junge Frauen über ihr persönliches Sicherheitsgefühl in den öffentlichen Verkehrsmitteln in Wien. Dabei kam heraus, dass viele Frauen den Notrufhebel nicht benützen würden, jedoch haben wir die Frauen nicht nach ihren Gründen gefragt. Interessierte ForscherInnen könnten ein Interview mit den NutzerInnen der öffentlichen Verkehrsmitteln führen oder eine offene Frage in einem Fragebogen einbauen, um diese Frage zu beantworten. 

Und was möchte ich speziell gegen soziale Ungleichheit tun? 

Um sozialer Ungleichheit entgegenzuwirken, nannte ich oben schon als Lösungsansatz die Forschung. Mein Beitrag hierzu hat mit dem Proseminar über Gender Mainstreaming and Media, welches ich letztes Jahr absolvierte, begonnen und mich mit diesem zweiten Seminar über dasselbe Thema einen Schritt weitergebracht. Während des Seminars realisierte ich die Wichtigkeit des Auseinandersetzens mit dem Problem der Ungleichstellung, um es richtig zu verstehen und etwas dagegen tun zu können. Genau so wird mein Weg auch weitergehen. Ich nehme mir vor, in Zukunft Acht auf soziale Ungleichheit zu geben und sofort zu reagieren, sobald ich bemerke, dass jemand aufgrund seines Geschlechts, Aussehens, Glaubens oder sonstigen Attributen, die keineswegs seine/ihre Kompetenzen einschränken, diskriminiert wird. 


 Literatur

  • Wiener Gleichstellungsmonitor (2016): Die Ergebnisse im Überblick: https://www.gleichstellungsmonitor.at/KapitelF/index.php %5B02.02.2020%5D 
  • Kreckel, Reinhard (1992): Politische Soziologie der sozialen Ungleichheit. Campus Verlag Frankfurt/New York.  
  • Reskin, Barbara F. & Ross, Catherine E.: Jobs, Authority, and Earnings Among Managers: The Continuing Significance of Sex. in Jacobs, Jerry (Hg.): Gender Inequality at Work. USA. Verlag SAGE Publications. 1995. 
  • Roos, Patricia A. & Jones, Katherine W.: Shifting Gender Boundaries: Women’s Inroads Into Academic Sociology in Jacobs, Jerry (Hg.): Gender Inequality at Work. USA. Verlag SAGE Publications. 1995. 

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