Christiana Jankovics über die Task-Force des ORF

Von Ajla Selimovic

So gefällt uns das nicht. Wir müssen handeln.

Frau Jankovics, können Sie mir sagen, was das Besonderste an der Task Force ist?

Unser Commitment. Das Arbeitsverfassungsgesetz besagt im Grunde schon, dass man sich um Gleichstellung kümmern kann, jedoch genügt diese Möglichkeit alleine nicht, um etwas in Schwung zu versetzen und gegen Diskriminierung zu handeln. Hier bedarf es an starkem Willen, großem Engagement und viel Durchsetzungskraft. Anders als bei top-down-Prozessen kam diese Idee von innen. Keiner schrieb uns damals vor, dass etwas im Bereich des Gender Mainstreamings geschehen müsse – dies war unsere Entscheidung. Es war unser Anliegen, in

diesem Bereich etwas zu ändern und unsere Errungenschaften in die Form eines Gleichstellungsplans bzw. ORF-Gesetzes zu gießen, damit dies auch verankert ist und keineswegs erlischt. Wir sind eine außerhalb der vorgeschriebenen Verhandlungsstrukturen existierende Gruppe mit Unterstützung seitens des Geschäfts- und Betriebsrates.

Da Sie eben Unterstützer erwähnten; gibt es davon noch mehr?
Wie gehen Sie übrigens mit Opponenten um?


Die Gleichbehandlungsanwaltschaft unterstützt uns von rechtlicher Seite aus. Allgemein dienen uns alle, die Gleichstellung gleicherweise als enorm wichtig empfinden als große Motivation. Zudem greifen wir uns intern unter die Arme, was uns immer mehr stärkt. Opponenten gibt es immer; hier versuchen wir in ständigen Gesprächen und mit Argumentation unsere wichtigsten Standpunkte und vor allem Erfolge trotzdem zu kommunizieren.

Womit beschäftigt sich die Task Force zur Zeit? Können Sie mir ein konkretes Beispiel nennen?

Wir haben kürzlich einen Fragebogen an alle Frauen im Haus ausgeschickt, um ihre derzeitige Gefühlslage in Bezug auf die Gleichberechtigung zu erheben. Dies ist schon die Dritte Umfrage, die erste fand 1999 statt. Sobald wir diese ausgewertet haben, fokussieren wir uns darauf, die Anliegen der Frauen zu analysieren und die Arbeitsverhältnisse in den Bereichen, die Probleme bereiten, zu verbessern. Zudem bieten wir ein Mentoring-Programm an, bei dem wir Frauen jeden Alters Unterstützung in Bereichen wie Karriereaufstieg oder -Rückzug sowie zahlreiche persönliche Tipps für beispielsweise eigene Projekte bieten. Wir teilen hier auch unsere eigenen Erfahrungen und Fehler mit, um anderen Zeit zu ersparen und potentielle unangenehme Situationen vermeiden zu können.

Wie gewährleisten Sie das Verständnis anderer, dass Handlungsbedarf in Bezug auf Gender Mainstreaming besteht?

Durch die Sichtbarmachung des Problems anhand von konkreten Beispielen wie beispielsweise unfairen Gehaltes und die Hervorhebung dessen, dass man als Frau oft betroffen, jedoch nie allein mit seinem Problem ist. Zudem ist die Klarstellung, dass uns die Meinung der Frauen relevant ist und es hierbei um das Wohlergehen aller Frauen geht, von enormer Wichtigkeit.

Welche Personen sind in einem Unternehmen wichtig, die solche Umbrüche wie die Task Force schaffen können?

Bei uns war witzigerweise vieles Zufall. Ulrike Wüstenhagen und ich haben damals festgestellt, dass wir mit der Situation nicht zufrieden sind und haben gemeint: „So gefällt uns das nicht. Wir müssen handeln.“ und haben strategisch überlegt, wen wir uns für unser Team ins Boot holen könnten. Allgemein bedarf es bei einer Teamaufstellung viel an strategischer Planung. Wir haben versucht zu erkennen, wer gut in die Task-Force-Philosophie hineinpasst und wer bei Veranstaltungen mit einem ähnlichen Mindset auffällt. Außerdem organisieren wir Nachfolgerinnen-Treffen und versuchen diese schon frühzeitig einzubinden. Nach und nach kommt man sich durch die enge Zusammenarbeit und die gemeinsamen Erfolge sehr nahe und harmoniert immer besser im Team. Die grundsätzliche Wertschätzung innerhalb einer Gruppe ist nicht zu unterschätzen; trotz internen Konflikten oder unterschiedlichen Meinungen ist es immer wichtig, zusammenzuarbeiten. Im Großen und Ganzen muss man sich überlegen, wen und was man braucht, wer einem helfen kann und Mitglieder suchen, die mit ganzem Herzen dabei sind.

Wir bedanken uns hiermit nocheinmal herzlichst für das Engagement und Hilfsbereitschaft von Frau Jankovics!

 

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