Gender Mainstreaming in österreichischen Onlinemedien: Die Ergebnisse

Von Lisa Kruder und Lucija Vukman

Einkommensunterschiede oder die unüberwindbare Schwelle zu Führungspositionen – Probleme, mit denen eine Frau am Arbeitsmarkt im 21. Jahrhundert in Österreich zu kämpfen hat. Besonders das journalistischen Berufsfeld weist einen umkämpften Arbeitsmarkt auf: Immer mehr werdende ausgebildete JournalistInnen konkurrieren um immer weniger werdende Arbeitsplätze; den Großteil davon bilden Frauen (Kirchhoff/Prandner 2016: 47) – den Großteil der Arbeitsplätze bekommen trotzdem Männer (Kirchhoff/Prandner 2016: 51). Die Geschlechterverhältnisse in Österreichs traditioneller Medienlandschaft sind vor allem in Hinblick auf moderne und alternative Onlinemedien ein interessanter Fall, den wir im Zuge dieses Forschungsprojektes analysiert haben.

Um alle relevanten österreichischen Onlinemedien zu ermitteln, wurde die Medienanalyse der Österreichischen Webanalyse vom Februar 2019 herangezogen. Darüber hinaus wurden diese Daten mit jenen des Index-Verlages ergänzt. Es ist notwendig zu erwähnen, dass die Daten beider Datenbanken ihre Daten auf einer freiwilligen Mitgliedschaft der jeweiligen JournalistInnen und Medienhäuser basieren. Die untersuchten Medienhäuser entsprechen einer repräsentativen Variation: Das Sample umfasst JournalistInnen der österreichischen reichweitenstärksten Nachrichtenwebsite derstandard.at, die von der Qualitätszeitung Der Standard betrieben wird; ebenso wie andere am häufigsten besuchten Nachrichtenseiten, wie orf.at, krone.at und kurier.at (GMMP 2015). Andererseits umschließt das Sample auch regionale Websites (vol.at, tt.com, sn.com); sowie alternative Onlineseiten, wie metropole.at, welche Nachrichten aus Wien in englischer Sprache zur Verfügung stellt; bis hin zu Websites, die sich auf ein spezifisches Ressort beziehen, wie artmagazine.cc, welches über Kunst und Kultur im deutschsprachigen Raum berichtet. Insgesamt wurden 265 Onlinemedien untersucht.

Trotz umfassender Informationen, die aus dem breiten Sample bezogen werden können, ist es nicht möglich, ein vollständiges Bild der österreichischen Medienlandschaft zu garantieren. Beispielsweise das transkulturelle Onlinemagazin dasbiber.at, das über multiethnische Themen berichtet, findet sich in unserer Analyse nicht wieder. Ebenso fehlt in unserem Sample das 2017 veröffentlichte Medienprojekt addendum.org, das umfangreiche Recherchen durchführt.

Insgesamt wurden in Summe 923 Online-JournalistInnen untersucht, wovon 532 Männer und 391 Frauen sind. Dies entspricht einem Prozentsatz von 42 Prozent weiblichen Online-JournalistInnen. Umfassende Studien von Kaltenbrunner et al. (2007) und Hummel et al. (2010) ermitteln, dass der Prozentsatz von weiblichen JournalistInnen in Österreich zwischen 37 und 42 Prozent liegt, wobei die Zahlen seit der Jahrhundertwende steigen (Kirchhoff/Prandner 2016: 51).

Grafik 1: Anzahl aller Online-JournalistInnen nach Geschlecht schattiert

Studien von Hummel et al. (2012b), Kirchhoff et al. (2013) und Prandner (2013) zeigen, dass Frauen häufiger „am Rande der journalistischen Profession“ (Kirchhoff/Prandner 2016: 51) arbeiten, beispielsweise in Lokalzeitungen oder ressortbezogenen Medienunternehmen (Kirchhoff/Prandner 2016: 51). In unserer Studie wurden vor allem in den Bundesländern die jeweiligen Lokalzeitungen untersucht, wie beispielsweise vol.at in Vorarlberg oder tt.com in Tirol. In beiden dieser Bundesländer sind mehr Frauen angestellt. Generell weisen die anderen Bundesländer im Vergleich zur Hauptstadt Wien höhere Geschlechterdisparitäten auf. Erwähnenswert ist auch, dass in der Landeshauptstadt Wien beispielsweise das Netzwerk Medienfrauen angesiedelt ist, dass sich um bessere Karrierechancen der Frauen in den Medien bemüht (Kirchhoff/Prandner 2016: 49). 

Grafik 2: Arbeitsort aller Online-JournalistInnen nach Geschlecht schattiert

Zufolge der Studien von Hummel et al. (2010, 2012a) sowie Kaltenbrunner et al. (2007) sind Führungskraftpositionen in österreichischen Medienhäusern nur zu 24 Prozent von Frauen besetzt. Unser Sample umfasst 167 Online-JournalistInnen, die in der Chefredaktion angestellt sind, wovon 49 weiblich sind. Das entspricht einem Prozentsatz von 29 Prozent und lässt einen leichten Anstieg, zumindest im Onlinebereich, vermuten.

Im Bereich der freien Mitarbeit verringert sich die Kluft zwischen den Geschlechtern: Laut Hummel und Kassel (2009) sind die Zahlen der freiberuflichen Journalistinnen und Journalisten annähernd gleich. Dies lässt sich auf die wachsenden prekären Arbeitsbedingungen für beide Geschlechter zurückführen, die mit „strukturellen Veränderungen und der Wirtschaftskrise im Mediensektor“ (Kirchhoff/Prandner 2016: 50) zusammenhängen (Kirchhoff/Prandner 2016: 50). Unser Sample widerspricht dieser Beobachtung: Einen Großteil der freiberuflichen Online-JournalistInnen machen Männer aus.

Grafik 3: Position aller Online-JournalistInnen nach Geschlecht schattiert

Um eine Repräsentation der Geschlechterverhältnisse in den unterschiedlichen Onlinepublikationen zu ermitteln, sind wir folgendermaßen vorgegangen: Da das Sample, wie bereits beschrieben, 265 Onlinemedien umfasst, wurden die jeweiligen Nachrichtenseiten, aus Gründen der übersichtlicheren Visualisierung und generellen Repräsentation, einer Überkategorie zugewiesen. Diese Kategorien, welche im Groben den Ressorts entsprechen, wurden den Onlinemedien nach eigenen Angaben des Impressums oder anhand einer Überzahl von ressortbezogenen Artikeln zugeordnet.

Der Großteil der untersuchten Online-JournalistInnen arbeitet in Onlinepublikationen mit dem Schwerpunkt Lifestyle und Kultur, sowie aktuelles Geschehen, was klassischen Nachrichtenportalen entspricht. Die auffälligsten Geschlechterdisparitäten finden sich in Publikationen mit dem Schwerpunkt Sport und Politik wider: In beiden Fällen arbeiten deutlich mehr Männer.

Grafik 4: Art der Publikation, bei dem Online-JournalistInnen angestellt sind, nach Geschlecht schattiert

Um nun festzustellen, ob manchen Ressorts eher von Frauen oder von Männern dominiert werden, wurde im Folgenden die vollständige Anzahl der Online-JournalistInnen in den jeweiligen Ressorts nach Geschlecht aufgeteilt.

Im Zuge des Gender Media Monitoring Projects aus dem Jahr 2010 wurde festgestellt, dass Frauen öfters über sogenannte soft news (Lifestyle, Kultur, Sport, Medien, Chronik) berichten, während Männer eher zu hard news (Politik, Wirtschaft) tendieren (GMMP 2015). Diese Annahme bewahrheitet sich zumindest teilweise für unsere Analyse: Der Großteil der Online-JournalistInnen, welche in den Ressorts „Politik“ und „Wirtschaft“ arbeiten, sind Männer. Dennoch lässt sich die größte Kluft zwischen den Geschlechtern im Ressort „Sport“ feststellen: Von allen SportjournalistInnen sind nur 18% weiblich.

Grafik 5: Anzahl aller Online-JournalistInnen, die im Ressort „Politik“ arbeiten, nach Geschlecht schattiert
Grafik 6: Anzahl aller Online-JournalistInnen, die im Ressort „Wirtschaft“ arbeiten, nach Geschlecht schattiert
Grafik 7: Anzahl aller Online-JournalistInnen, die im Ressort „Kultur“ arbeiten, nach Geschlecht schattiert
Grafik 8: Anzahl aller Online-JournalistInnen, die im Ressort „Lifestyle“ arbeiten, nach Geschlecht schattiert
Grafik 9: Anzahl aller Online-JournalistInnen, die im Ressort „Tagesaktuelles Geschehen“ arbeiten, nach Geschlecht schattiert
Grafik 10: Anzahl aller Online-JournalistInnen, die im Ressort „Gesellschaft“ arbeiten, nach Geschlecht schattiert
Grafik 11: Anzahl aller Online-JournalistInnen, die im Ressort „IT“ arbeiten, nach Geschlecht schattiert
Grafik 12: Anzahl aller Online-JournalistInnen, die im Ressort „Sport“ arbeiten, nach Geschlecht schattiert

Quellen:

Global Media Monitoring Project (2015): Who makes the news? Austria National Report.

Susanne Kirchhoff and Dimitri Prandner (2016): Austria. Working Conditions, Representation ans Measures Towards Gender Equality. In: Karen Ross and Claudia Padovani: Gender Equality and the Media. A Challenge for Europe. New York: Routeledge. 47-59.

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