Gendermainstreaming im öffentlichen Raum

Von Lilli Kissler 

Männer und Frauen sind in Österreich gleichberechtigt – so steht es zumindest in der heimischen Verfassung. In der Realität verdienen Frauen weniger und leisten genau den gleichen Teil, wenn nicht den weitaus größeren Teil unbezahlter Arbeit. Bei wirtschaftlicher Gleichberechtigung steht Österreich im Ranking des „Global Gender Gap Index“ weltweit auf Rang 86. Bei der Bezahlung für gleichwertige Arbeit – Stichwort Lohnschere – landet Österreich sogar nur auf den 108. Platz. Gleiches Gehalt für gleiche Arbeit ist nach wie vor eine offene Forderung der Frauen. Ebenso in Führungspositionen und in der medialen Öffentlichkeit ist das weibliche Geschlecht zum Teil immer noch stark unterrepräsentiert.  

Gender Mainstreaming ist eine politische Strategie, die helfen soll, Geschlechterungleichheiten zu erkennen. Sie hilft politischen Entscheidungen zu berücksichtigen und Benachteiligungen abzubauen. Besonders wichtig im Rahmen der Gender-Mainstreaming-Strategie ist die geschlechtergerechte Gestaltung in der Öffentlichkeit und des öffentlichen Budgets.  

Frauen in den Medien 

Medien berichten nach wie vor sehr männlich. Die frauenpolitische Berichterstattung war im Jahr 2018 vom Thema Kopftuchdebatte bzw. Verschleierung dominiert. 37 Prozent der Berichterstattung über Frauen befassten sich mit diesem „Problem“. Hingegen werden über Themen wie Lohngerechtigkeit, Frauen in der Arbeitswelt und Vereinbarkeit von Beruf und Familie nur gering medial aufgegriffen. Medial und politisch erfolgreich bleiben scheinbar nur „Skandalthemen“ wie beispielsweise das umstrittene Burka-Verbot, das Binnen-I oder die Metoo-Debatte, welche im Jahr 2017 ins Leben gerufen wurde. Mittlerweile stehen mehr Frauen an der Spitze politischer Parteien oder allgemein in politischen Ämtern. In den Führungspositionen der Medienunternehmen sind Frauen allerdings immer noch unterrepräsentiert. Seit dem 1. Jänner 2018 gilt in Österreich eine Geschlechterquote von 30 % für die Aufsichtsräte von großen sowie börsennotierten Unternehmen. Von Seiten Österreichs gibt es hierzu schon Bemühungen, die Gleichstellung durch Gesetze, sicherzustellen. In der heimischen Politik gibt es einen zunehmenden positiven Trend im Frauenanteil im Nationalrat. Im Jahr 2019 herrscht in der Bundesregierung erstmals Parität zwischen Männern und Frauen.  

Geschlechtergleichstellung im öffentlichen Raum  

Für die Gleichstellung beider Geschlechter im jüngeren Alter setzt sich vor allem die Stadt Wien, genauer gesagt die MA13, im öffentlichen Raum, mittels Parkbetreuung, ein. Die von der Stadt Wien angebotene Parkbetreuung entstand 1993 aus dem Ansatz heraus, ein konfliktfreies Zusammenleben unterschiedlicher Nutzer und Nutzerinnen im öffentlichen Raum zu fördern. Mittlerweile gibt es in allen 23. Wiener Bezirken Parkbetreuung für Kinder und Jugendliche. Die Parkbetreuer und Parkbetreuerinnen gehen auf die Bedürfnisse und Wünsche der Kinder und Jugendlichen ein und motivieren sie zu einer kreativen Outdoor – Freizeitgestaltung. Dafür kommen die Parkbetreuungsteams mehrmals die Woche mit vielen Gesellschafts- und Bewegungsspielen in die Parkanlagen und gestalten gemeinsam mit den Kindern und Jugendlichen ein buntes Programm voller Spiel und Spaß. Speziell Mädchen sollen in dieser Form betreut und unterstützt werden. Aber wie sieht die Parkbetreuung im Sinne des Gender Mainstreaming aus? 

Um dieser Frage zu beantworten habe ich im Rahmen unserer Forschungsprojekt „Community Spaces“, zusammen mit meiner Kollegin Sonja Wind, Renate Kraft aus der MA 13 (Fachbereich Jugend / Pädagogik) und Katharina Röggla (pädagogische Leitung des Vereins Juvivo) interviewt. Dabei stellte sich nicht nur heraus wie die Wiener Parkbetreuung arbeitet, sondern wie viel Wert auch auf geschlechtersensible Aspekte gelegt wird.  

Frau Renate Kraft und Katharina Röggla haben einen großen Einfluss darauf, wenn es um Maßnahmen und Umsetzungen der Wiener Parkbetreuung gehen. Wir erhielten sehr spannende und wichtige Informationen rund um das Thema Parkbetreuung im Sinne des Gendermainstreaming. So erzählten uns, sowohl Frau Kraft, als auch Frau Röggla, in einem Interview über die Arbeit mit Kindern- und Jugendlichen im öffentlichen Raum, über die Herausforderungen, Erfolge und zukünftigen Themenschwerpunkte. Dabei stellte sich heraus, dass die Parkbetreuung anfangs unter dem Motto der Freizeitpädagogik agierte. Der sozialräumliche und sozialpädagogischer Aspekt sowie die individuelle Beschäftigung mit dem einzelnen Kind, erfolgte erst etwas später. Der geschlechtssensible Aspekt sei rasch in die Agenda integriert worden. Interessant war auch zu hören, dass Mittels Sozialraumanalysen spezifische Bedürfnisse der Mädchen untersucht wurde. Hierbei wurde festgestellt, dass Mädchen beispielsweise helle Rückzugsräume im Park brauchen. Das hat den Grund, dass sie nicht durchgehend von der Familie beobachtet und kontrolliert werden wollen. Die Analysen ergaben, dass speziell Mädchen dieser sozialen Kontrolle stark unterliegen.  

Das Interview gewährten mir wertvolle und interessante Informationen in die Arbeit und den Umgang mit Kindern und Jugendlichen. Besonders interessant fand ich hierbei, die Umsetzung der geschlechtersensiblen Aspekte, auf die die MA13 großen Wert legt. Auch auf das dritte Geschlecht wird hierbei Rücksicht genommen und wird zukünftig ein fester Bestandteil der Kinder- und Jugendarbeit sein. Weiters beeindruckte mich der Zusammenhang der Klimaentwicklung und der Parkbetreuung. Durch das wärmere Wetter, müssen genügend Maßnahmen initiiert werden, wie zum Beispiel ausreichend Wasser- und Schattenplätze für alle Parkbesucher und Parkbesucherinnen.  

Die Einblicke in das Thema Gender Mainstreaming und die Inhalte im Seminar, stellten nicht nur persönlich eine eindrucksvolle Erfahrung für mich dar, sondern waren für meinen weiteren Studienverlauf und Arbeitsrichtung von Bedeutung. Gendermainstreaming hat ein großes Interesse in mir geweckt, sodass ich mir gut vorstellen kann, weiter in diesem Bereich (journalistisch) zu arbeiten. Die Gespräche mit Frau Kraft und Katharina Röggla haben mir vor Augen geführt, wie wichtig und wertvoll die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen ist und wie viel Arbeit und Denken damit verbunden ist. Die Stadt Wien leistet durch ihre Angebote einen wertvollen Beitrag zur Inklusion und Integration, sowie Akzeptanz für Kinder- und Jugendliche. Diese Erkenntnis möchte ich auf jeden Fall in meiner späteren journalistischen Arbeit einsetzen und mein erlerntes Wissen nun auch anderen weitergeben. Für die Zukunft würde ich mir wünschen, dass Geschlechterungleichheiten schnell und erfolgreich abgebaut werden und Frauen genau die gleichen Rechte besitzen wie die Männer. Was ist sehr begrüße ist der Fortschritt, dass die Gesellschaft versucht immer weiter von klassischen Rollenklischees abzusehen und beispielsweise auch Männer sich Elternauszeit nehmen oder auch die Parität von Mann und Frau in der Politik. Mir ist es wichtig, die bestehende Rollenverteilung zu hinterfragen und sich nicht mit Antworten wie „Frauen/Männer sind nun mal so“ abzugeben und besonders auf Ungleichheit in den Medien, im Beruf und im Alltag zu achten und vor allem auf sie zu reagieren. 

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