Gleichstellung von Frauen in Medien – mit kleinen Schritten zum Ziel

Von Melanie Strobl

In den letzten Jahren waren vor allem in den sozialen Medien immer wieder Hashtags wie #metoo, #aufschrei oder #TimesUp zu sehen. Hashtags, die vielfach geteilt wurden, um mehr Aufmerksamkeit dafür zu schaffen, wie Frauen unter Sexismus und sexueller Belästigung leiden. 
Denn auch in 2019 ist die Gleichstellung von Frauen und Männern noch nicht erreicht.
Sowohl im Privatleben als auch auf Berufsebene sind Unterschiede bei der Behandlung zwischen den Geschlechtern zu erkennen. Eine Strategie, wie man die Gleichstellung zwischen den Geschlechtern schaffen kann nennt sich Gender Mainstreaming. Genau das wurde im ORF von der Frauen Task Force umgesetzt. Durch deren Arbeit wurde zum Beispiel die Frauenquote von 45% im ORF- Gesetz festgeschrieben.

Für unser Forschungsprojekt habe ich in der qualitativen Gruppe zwei Frauen der Task Force zusammen mit Sonja Wind interviewt, um deren Anwendung von Gender Mainstreaming Maßnahmen im ORF näher zu betrachten.

Tatsächlich sind Frauen in der Medienbranche seit 50 Jahren deutlich unterrepräsentiert, wenn es um Entscheidungsfindung und den Inhalt von Nachrichten geht.
Daraus resultiert z.B. das Problem, dass im Durchschnitt nur 1 aus 5 Experten/ -innen, die im Fernsehen gezeigt werden eine Frau ist. Da Experten/ -innenmeinungen vertraut wird und sie eine gewisse Autorität besitzen, zeigt sich erneut das Dilemma. Wir bekommen in den meisten Fällen nicht die Perspektive auch aus Frauensicht gezeigt, welche womöglich eine ganz andere wäre. Auch in Führungspositionen ist der Frauenanteil immer noch sehr niedrig. Insgesamt waren in der EU, wie aus einem Bericht von 2014 hervorgeht nur 16% der Positionen der obersten Entscheidungsebene in Medienorganisationen von Frauen besetzt.
Das vermutlich größte Problem, stellt der sogenannte Gender Pay Gap (unterschiedlicher Verdienst der Geschlechter bei gleicher Arbeit) dar.
Im ORF haben z.B. im ersten Halbjahr 2017 Frauen circa 16% weniger verdient als ihre männlichen Kollegen.  

Um diese Probleme zu bekämpfen, hat der ORF einen Gleichstellungsplan entwickelt, der eine einheitliche Unternehmenskultur anstrebt und die Förderung von Frauen zum Ziel hat. Dieser Schritt wurde zunehmend durch die Arbeit der Frauen Task Force erreicht. Auch in anderen Medienlandschaften findet man Initiativen, die Fraueninteressen sichtbarer machen sollen. So hat „Der Standard“ mit seiner Website „diestandard.at“ ein feministisches Nachrichtenportal geschaffen. Allerdings war der ORF eines von wenigen Medienhäusern, die als erstes einen Gleichstellungsplan, speziell für das eigene Unternehmen entwickelt haben.

An unserem Beispiel der Frauen Task Force hat sich offenbart, dass vor allem Eigeninitiative der Startschuss war, um Geschlechterungleichheiten zu bekämpfen. Das Ziel, Frauen zu fördern kam nicht von einer höheren Ebene, sondern von den Frauen selbst. Gegenseitige Vernetzung war der Schlüssel um letztendlich alle Anliegen der Frauen gesammelt in einem Forum zusammenzutragen. Der Wunsch nach einem Ansprechgremium für Fraueninteressen war auch von Seiten der Führungsebene da, allerdings wurde die Umsetzung von den Frauen selbst ausgeführt.

Idealerweise sollte eine Politik, die die Ungerechtigkeiten von Geschlechtern beheben will, von allen Ebenen verfolgt werden. Da dies meist nicht der Fall ist, wäre eine feste Einführung von Frauenquoten und/oder weiblichen Aufsichtsräten per Gesetz wünschenswert. Island geht zum Beispiel in Bezug auf den Gender Pay Gap mit bestem Beispiel voran – 2018 reagierte die Regierung mit einem Gesetz, sodass es nun verboten ist Frauen bei gleicher Arbeit schlechter zu bezahlen. 

Unsere Forschung in der Gruppe erfolgte sowohl quantitativ als auch qualitativ. Die Mischung aus beiden Methoden ist durchaus wichtig – quantitative Daten geben einen Überblick über die allgemeine Situation von Geschlechter- Differenzen.
Unterschiede, dass beispielsweise die Anzahl der Frauen in Führungspositionen geringer ist als die der Männer, werden dadurch deutlich. Durch die qualitativen Daten, die wir in unseren Interviews erhoben haben, bekamen wir einen tieferen Einblick in die Thematik und konnten den Prozess von Gender Mainstreaming, wie er im ORF stattgefunden hat besser verstehen. 

Durch unsere Forschung zeigt sich, dass es immer noch Handlungsbedarf gibt bei der Repräsentation von Frauen in Medienhäusern. Die Frauen Task Force des ORF schreitet hier als Vorbild für andere Medienhäuser voran. Allerdings ist deren Arbeit ein Ausnahmebeispiel und wurde zum großen Teil aus Eigeninitiative gestemmt. Die Politik müsste für Gleichstellungsmaßnahmen in Unternehmen eindeutig stärker eingreifen, sodass die Arbeit nicht nur von den Betroffenen allein gestemmt werden muss. 

Ich habe für mich und meine berufliche Zukunft in den Medien erneut erkannt, dass Eigeninitiative der Schlüssel zum Erfolg ist. Die Frauen, die ich interviewen durfte, haben mich sehr inspiriert und mir aufgezeigt wie Engagement etwas bewirken kann. Keinesfalls sollte man sich auf den „Lorbeeren“ der vorigen Generation ausruhen, die für Frauenrechte gekämpft haben, sondern den Prozess weiter vorantreiben. Ich denke das Bewusstsein, dass beide Geschlechter gleichermaßen in allen Ebenen der Gesellschaft vertreten sein sollten (egal ob im Beruf oder im Privatleben) ist präsent. Allerdings ist die Umsetzung ein langwieriger Prozess, den wir und die Politik weiterhin mitgestalten können und müssen. 

Literatur:
Advancing Gender Equality in Media Industries 2018
Global Media Monitoring Report 2015
European Institute for Gender Equality (EIGE) 2014
ORF Gleichstellungsplan 2017- 2019
AT Gender Equality and the Media : A Challenge for Europe 2016





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